Wahlprogramm vs. Realität: Die fehlende Gegenüberstellung
Es ist wieder Wahlkampf. Die Plakate hängen. Die Presse schreibt pflichtbewusst ihre Artikel. Wahlprogramme werden seziert, bewertet, kommentiert.
Was fehlt? Immer dasselbe.
Eine Gegenüberstellung:
Was wurde versprochen – und was wurde gehalten?
Nicht als akademische Übung. Sondern wie man das in jedem halbwegs professionellen Unternehmen täte: Soll/Ist-Vergleich. Ohne Schönfärberei.
Stattdessen: Hochglanzmaterial, nette Formulierungen, und Redakteure, deren Aufsichtsräte zufällig aus denselben Kreisen stammen, über die sie berichten sollten. Das Ergebnis ist das, was es ist.
Der folgende Text ist die PR Variante meiner Meinung
Es gibt eine Regel, die ich aus 40 Jahren Projektarbeit kenne.
Man löst kein Problem mit denjenigen, die es verursacht haben.
Das ist keine Meinung. Das ist Systemlogik.
Wenn ein Entwicklungsprojekt regelmäßig Budget, Zeit und Qualität verfehlt, holt man keine Task Force aus denselben Leuten, die das Projekt geführt haben. Man analysiert, was strukturell falsch läuft – und ändert die Struktur.
In der Politik gilt das offenbar nicht.
Nach einem Jahr Friedrich Merz als CDU-Vorsitzendem – einem Jahr weitgehend gebrochener Versprechen, einem Jahr Stillstand dort, wo Bewegung gefragt war – bekommt er 90 % auf dem Parteitag. Nun gut. Das sagt etwas über den Zustand der CDU-Mitgliedschaft. Über mehr muss man dann eigentlich nicht mehr reden.
Zur Frage des Vertrauens.
Ich habe mir angewöhnt, Verhalten zu beobachten statt Versprechen zu glauben. Das ist eine Methodik, die in jedem Review-Prozess funktioniert.
Wenn ich das auf Politiker anwende, komme ich zu einem Ergebnis, das ich hier diplomatisch formulieren möchte: Mein Vertrauen ist so weit gesunken, dass ich buchstäblich jeden Aschenbecher im Raum überwachen würde, solange diese Personen anwesend sind.
Das ist keine Übertreibung. Das ist eine Risikobewertung.
Die Bewerbungsanalogie.
Stellen Sie sich vor, ein Kandidat kommt zum Vorstellungsgespräch. Hochglanzunterlagen. Eloquent. Überzeugend. Er verspricht ewige Treue, maximalen Einsatz, vollständige Lieferung.
Sechs Monate später: Targets nicht erreicht, Versprechen umgedeutet, Verantwortung auf externe Faktoren verschoben.
Was tun Sie als Führungskraft?
Sie trennen sich. Und beim nächsten Mal prüfen Sie die Referenzen gründlicher.
In der Politik nennt man diesen Zyklus „Demokratie“ und wiederholt ihn alle vier Jahre mit denselben Akteuren.
Zur SPD, zur Linken und zur Glaubwürdigkeit generell.
„Für dich“ – steht auf den Plakaten. Für wen genau?
Und „Für Arbeitsplätze“ nachdem eine Bärbel Bas ja die Unternehmer gerade zum Feind erklärt hat.
Wenn auf der anderen Seite Armut gepredigt wird, während die Protagonisten im A8 vorfahren und auf Parteitagen Sekt trinken, dann ist das keine Kleinigkeit. Das ist kein Kommunikationsproblem – oder präziser: ein Integritätsproblem. – ich muss meine #Tiernamen Liste erweitern
Man kann eine Position glaubwürdig vertreten oder man kann sie verkaufen.
Beides gleichzeitig funktioniert nicht dauerhaft.
Was Merkel hinterlassen hat.
Beginnen wir mit der sachlichen Einordnung: Über Jahre wurde deutsches Steuergeld systematisch eingesetzt, um nationale und internationale Probleme zuzuschütten – anstatt sie zu lösen.
Die Konsequenz: Die strukturellen Probleme im Inland sind massiv gewachsen. Sie wurden verschoben, vertagt, umdefiniert. Und selbst heute wo es dann Aussagen der Wirtschaft gibt zu Politikern „Keine Kompetenzvermutung mehr“ passiert was – genau – gar nichts.
Die CDU läuft weiterhin auf diesem Kurs. Unbequeme Entscheidungen werden vermieden. Man nennt das Kompromiss. Ich nenne das Aufschub auf Kosten der Substanz.
Mein Fazit :
80 % der Menschen in diesem Land, die morgens aufstehen, arbeiten gehen und ihren Laden am Laufen halten, liefern mehr Substanz und mehr Integrität als das, was sich in den Parlamenten als politische Elite bezeichnet.
Das ist kein Angriff auf die Demokratie. Das ist eine Leistungsbewertung.
Wenn wir weiterhin denjenigen die Problemlösung übertragen, die das Problem verursacht haben – und das alle vier Jahre neu bestätigen – dann ist das Ergebnis vorhersehbar.
Es ist kein Geheimnis. Es ist Systemlogik.
Und wer das weiterhin nicht sieht, dem ist meines Erachtens schlicht nicht mehr zu helfen.
Quellen u.a.: Focus.de – Nach einem Jahr Merz: Leser ziehen Bilanz