↓ Zum Hauptinhalt springen

Risiken systematisch finden und bearbeiten.

·45 min
Thomas Arends
Autor
Thomas Arends
Management Consulting, Interim-, Projekt-, Qualitätsmanagement
Inhaltsverzeichnis

Dieser Text beschreibt ein Vorgehen im Risikomanagement. Der Haupttext braucht kein Vorwissen. Die Kästen „Für Methodiker" enthalten die formale Fassung. Wer will, überspringt die Kästen.

1. Worum es geht
#

Die übliche Risikoliste entsteht aus Einfällen und Meldungen. Jemandem fällt eine Gefahr ein. Oder jemand meldet eine Gefahr. Niemand kann prüfen, ob die Liste vollständig ist. Am Ende steht der Satz: „Mehr ist mir nicht eingefallen."

Dieser Vorschlag dreht die Reihenfolge um. Zuerst schreiben Sie auf, was gut ist. Dann schreiben Sie auf, womit Sie es gut halten. Die Frage lautet: „Was will ich?"

Das Risiko ist dann der Rest. Der Rest: alles, was passieren kann und nicht gedeckt ist. Sie rechnen diesen Rest aus. Sie sammeln ihn nicht.

Zwei Wege zum RisikoOben der übliche Weg: Einfälle und Meldungen ergeben eine Risikoliste. Niemand weiß, ob die Liste vollständig ist. Unten der Vorschlag: Schritt 1 festlegen, was gut ist. Schritt 2 festlegen, womit es gut bleibt. Schritt 3 den Rest ausrechnen.Üblich: Risiken sammelnEinfälle undMeldungenRisikolisteVollständig?Niemand weiß es.Dieser Vorschlag: Risiken ausrechnenSchritt 1Festlegen:Was ist gut?Schritt 2Festlegen:Womit bleibtes gut?Schritt 3Ausrechnen:Was bleibtals Rest?

Bild 1. Der übliche Weg sammelt Risiken. Dieser Vorschlag rechnet den Rest aus. Der Rest ist das Risiko.

Das Vorgehen gilt für alles, was einen Zweck hat. Beispiele: ein Unternehmen, ein Projekt, ein Produkt, ein Haushalt.

Ein Beispiel für jedermann. Eine Familie hält 3.000 Euro Puffer auf dem Konto. Am Monatsanfang wird die Miete abgebucht. Dieses Beispiel läuft durch den ganzen Text.

Beispiele aus einem Unternehmen stehen in Abschnitt 6. Dort rechnet eine erfundene Firma sechs Fälle durch.


2. Definitionen verwendeter Begriffe
#

Schutzobjekt. Ein Schutzobjekt ist etwas, das geschützt werden soll. Am Schutzobjekt hängt eine Absicht, ein Ziel oder ein Zweck. Und jemand braucht es. Beispiele: ein Projekt, eine Kundenbeziehung, ein Produkt, ein Datenbestand. Auch ein Mensch in seiner Rolle kann ein Schutzobjekt sein. Im Beispiel: die Zahlungsfähigkeit der Familie.

Der erlaubte Raum. Der erlaubte Raum hat drei Teile. Die Einzelheiten stehen auf der Seite Erlaubter Raum.

TeilBedeutungIm Beispiel der Familie
ZielDort will man sein. Oder: Diesen Zustand will man halten3.000 Euro Puffer für Unvorhergesehenes
SpielraumSo weit darf man abweichen, ohne dass jemand etwas ändern mussbis hinunter auf 1.000 Euro
WandHinter dieser Grenze gibt es kein Zurück0 Euro. Die Miete kann nicht mehr abgebucht werden

Das Ende des Spielraums heißt Rand. Im Beispiel liegt der Rand bei 1.000 Euro.

Der erlaubte Raum der FamilieEin Band von links nach rechts. Links das Ziel bei 3.000 Euro. Bis zum Rand bei 1.000 Euro reicht der Spielraum. Rechts die Wand bei 0 Euro. Zwischen Rand und Wand muss jemand etwas ändern.Ziel3.000 EuroRand1.000 EuroWand0 EuroSpielraumAbweichen ist erlaubt.Niemand muss etwas ändern.Hier muss jemandetwas ändern.Hinter der Wand gibt es kein Zurück.

Bild 2. Der erlaubte Raum im Beispiel der Familie. Die Reihenfolge ist immer: Ziel, Rand, Wand.

Einwirkung. Eine Einwirkung ist alles, was dazwischenkommen kann. Jede Einwirkung hat drei Angaben: wie stark, wie schnell, wie lange. Es gibt zwei Grundformen.

FormBedeutungIm Beispiel der Familie
SprungDie Einwirkung ist auf einen Schlag daeine teure Autoreparatur
RampeDie Einwirkung wächst mit der Zeitsteigende Nebenkosten
Sprung und RampeZwei kleine Diagramme: Kontostand über acht Monate. Links ein Sprung: Das Konto fällt auf einen Schlag von 3.000 auf 500 Euro. Rechts eine Rampe: Das Konto sinkt jeden Monat um 300 Euro, nach acht Monaten auf 600 Euro.SprungAutoreparatur: 2.500 Euro01.0002.0003.000RandWand02468Monate500 EuroRampeJeden Monat fehlen 300 Euro01.0002.0003.000RandWand02468Monate600 EuroKonto in Euro

Bild 3. Der Sprung ist auf einen Schlag da. Die Rampe wächst mit der Zeit.

Regelplan. Der Regelplan ist der Plan fürs Gegensteuern. Der Regelplan beantwortet vier Fragen:

  • Wer schaut hin, und wie oft?
  • Wer darf entscheiden?
  • Was lässt sich bewegen?
  • Wie lange dauert es bis zur Wirkung?

Risiko ist die Möglichkeit, dass eine Einwirkung oder Entwicklung ein Schutzobjekt aus seinem erlaubten Raum bringt und das Halten oder Zurückholen mehr Aufwand oder Zeit verlangt, als der Regelplan dafür vorsieht.

In einfachen Worten: Ein Risiko besteht, wenn zwei Dinge zusammenkommen.

  1. Etwas kann das Schutzobjekt aus dem erlaubten Raum bringen.
  2. Das Halten oder Zurückholen braucht mehr als im Regelplan vorgesehen. Mehr heißt: mehr Aufwand oder mehr Zeit.

Drei Abgrenzungen gehören dazu:

BegriffBedeutung
AbweichungMan ist schon draußen. Das ist kein Risiko mehr. Das ist ein Fall für den Regelplan
ChanceEine Chance ist kein Risiko mit umgekehrtem Vorzeichen. Eine Chance ist ein besserer Weg zum Ziel. Der Weg ist erreichbar, aber noch nicht beauftragt
NichtwissenEine Angabe fehlt. Das Ergebnis lautet dann „nicht prüfbar". Das Ergebnis lautet nie „kein Risiko"

Ein Risiko besteht nie für sich. Ein Risiko besteht immer gegenüber einem Zweck. Und gegenüber dem, der das Ergebnis braucht. Dieselbe Einwirkung kann ein Schutzobjekt treffen und ein anderes nicht.

Für Methodiker — Zuordnung und formale Fassung

Definitionen und Methodendetails

HaupttextPapier „Erlaubter Raum"
ZielMittellinie z(t)
Spielraumbeauftragte Breite X_soll
WandRand, bei dessen Überschreiten das System bricht (Rand von PIA)
EinwirkungInterference Action, je Kanal, mit Betrag, Rate, Dauer
vom Regelplan gedeckterlaubte Einwirkungen (AIA), bestimmt gegenüber einer Regelvorschrift
beauftragter Zielwechselgewollte Einwirkungen (DIA)
RisikoElement der Restmenge UCA = PIA \ (AIA ∪ DIA), bezogen auf ein Schutzobjekt

Risiko für Schutzobjekt o auf Kanal k besteht, wenn es eine Einwirkung w ∈ PIA_k gibt, deren erreichbarer Bereich über die Reaktionszeit τ_R den Schlauch verlässt: Reach(x, τ_R, w) ⊄ T. Erreicht der Bereich den Rand von PIA, ist es ein Bestandsrisiko.

Die Wertung sitzt an der Beziehung Einwirkung → Schutzobjekt, nicht an der Einwirkung. Wahrscheinlichkeit ist kein Bestandteil der Definition (Abschnitt 7).

Bezug zur Lebensfähigkeit: Die Prüfregel „Reaktionszeit > Reichweite ⇒ nicht lebensfähig" (Methodenbeschreibung 6.5) prüft den laufenden Verlauf. Das Risiko ist die Menge der Einwirkungen, unter denen diese Regel verletzt würde. Die fünf Pflichten liefern die Eingaben: Zweck und Adressat (1), Ziel mit Datum (2), gemessener Verlauf und Bestand (3), Betrachtung je Kanal ohne Mittelung (4), gemessene Reaktionszeit (5).


3. Das Vorgehen in drei Schritten
#

Die Reihenfolge der drei Schritte ist zwingend. Schritt 1 kommt immer vor Schritt 2. Sonst erklärt man für gut, was man gerade halten kann.

Schritt 1 — Festlegen, was gut ist
#

Sie schreiben je Schutzobjekt auf:

  1. Ziel
  2. Spielraum und
  3. Wand

Spielraum und Wand nennt der Abnehmer. Der Abnehmer ist derjenige, der das Ergebnis braucht. Sie stellen dem Abnehmer zwei Fragen:

  • Spielraum: „Ab welcher Abweichung musst du reagieren oder etwas ändern?"
  • Wand: „Ab welcher Abweichung brauchst du das Ergebnis nicht mehr, weil es wertlos ist?"

Regeln
#

Legen Sie in genau dieser Reihenfolge fest:

  1. Sie dokumentieren je Schutzobjekt und dort je Größe einzeln:
    1. Zeit,
    2. Kosten,
    3. Personen und
    4. alles Weitere, woran man das Ergebnis misst.
  2. Sie notieren den Verantwortlichen und das Datum der Entscheidung.
  3. Der Spielraum darf sich über die Zeit ändern. Zum Beispiel wird der Spielraum kurz vor der Lieferung enger. Auch die Wand darf sich ändern. Jede Änderung MUSS dokumentiert sein, mit Datum und Verantwortlichem.
  4. Manchmal kann der Abnehmer Spielraum oder Wand nicht nennen. Dann steht dort „Spielraum geschätzt" oder „Wand geschätzt". Ein Feld bleibt nie leer.

Es gibt zwei verschiedene Angaben. Der Schätzbereich sagt: Das kommt voraussichtlich heraus. Der Spielraum sagt: Das ist erlaubt. Auch der Schätzbereich braucht eine Herkunft: gemessen oder geschätzt. Manchmal ragt der Schätzbereich über den Spielraum hinaus. Dann besteht das Risiko schon am ersten Tag.

Manchmal enden nur die eigenen Mittel. Diese Grenze ist keine Wand. An dieser Grenze helfen mehr Mittel. An der Wand hilft nur ein anderer Aufbau.

Schritt 2 — Festlegen, womit man gut bleibt
#

Der Regelplan ist kein eigenes Dokument. Der Regelplan ist eine Prüfliste je Schutzobjekt. Die Prüfliste zeigt, ob alle Angaben da sind.

AngabeFrage
ZielWo wollen wir sein? Seit wann gilt das?
Erwartete StreuungWas kommt voraussichtlich heraus? Ist die Angabe gemessen oder geschätzt?
MessungWer überprüft die Daten? In welchem Rhythmus?
EntscheiderWer darf gegensteuern?
ReaktionszeitWie lange dauert es vom Hinschauen bis zur Wirkung? ¹
Spielraum und Wandaus Schritt 1
AuslöseschwelleAb wann wird gegengesteuert? (Abschnitt 4)
MittelWas lässt sich verändern?
MaßnahmeWas genau geschieht, wenn die Schwelle gerissen ist? (Abschnitt 5)

¹ Das setzt einen belastbaren Plan für dieses Ereignis voraus. Ohne Plan überlegen Sie erst, wenn der Fall eintritt. Ihre Reaktionszeit ist dann unbekannt. Der Befund lautet dann „nicht nachweisbar beherrscht".

Ein Pilot macht dasselbe bei jeder Flugvorbereitung. Es heißt dort nur anders: Route, Toleranzen, Instrumente, Treibstoffreserve, Ausweichflughafen. Dazu kommt für jede Störung eine Checkliste. Die Checklisten stehen vor dem Start fest.

Die Serienfertigung kennt diese Form als Produktionslenkungsplan mit Reaktionsplan. Dort stehen: Merkmal, Toleranz, Prüfmittel, Prüfhäufigkeit, Reaktion.

Der Regelplan verlangt dasselbe. Der Produktionslenkungsplan gilt für ein Bauteilmerkmal oder einen Zusammenbauschritt. Der Regelplan gilt für jedes Schutzobjekt. Was in der Fertigung selbstverständlich ist, gilt hier genauso.

Zu jedem Mittel gehören vier Angaben:

  • Wer darf das Mittel einsetzen?
  • Wie viel bewegt das Mittel?
  • Wie lange dauert es bis zur Wirkung?
  • Woher kommt das Mittel?

Manche Mittel sind geliehen. Dann steht dabei, wer dafür zahlt. Im Beispiel der Familie: Die Rücklage ist reserviert. Der Dispokredit ist geliehen und kostet später.

Zwei Dinge sind keine Mittel:

Kein MittelWarum
Qualität senkenDas verschiebt die Abweichung nur ins Ergebnis
Termin schiebenDas ändert das Ziel. Dafür braucht es den Auftrag oder die Freigabe des Abnehmers

Schritt 3 — Der Rest ist das Risiko
#

Sie schreiben für jedes Schutzobjekt auf, wovon es abhängt:

  • Kunden,
  • Lieferanten,
  • Geld,
  • Menschen,
  • Technik,
  • Übergaben zwischen Bereichen.

Für jede dieser Stellen fragen Sie: Was kann hier im schlimmsten Fall ankommen? Wie stark? Wie schnell? Wie lange? Die Antwort halten Sie gegen den Regelplan. Es gibt fünf mögliche Befunde:

BefundBedingung
AbgedecktDas Gegensteuern wirkt, bevor die Abweichung den Rand erreicht
ZielrisikoDie Abweichung kann den Rand erreichen, bevor das Gegensteuern wirkt. Die Wand erreicht sie nicht. Das Ziel wird zeitweise verfehlt. Rückkehr ist möglich
BestandsrisikoDie Abweichung kann die Wand erreichen, bevor das Gegensteuern wirkt
Nicht nachweisbar beherrschtDem Regelplan fehlt eine Angabe
Nicht prüfbarZweck, Spielraum, Wand oder Messung fehlen. Oder die Einwirkung ist noch nicht beschrieben
Der Weg zu den fünf BefundenVier Fragen nacheinander. Fehlt Zweck, Spielraum, Wand, Messung oder Einwirkung: nicht prüfbar. Fehlt dem Regelplan eine Angabe: nicht nachweisbar beherrscht. Erreicht die Abweichung die Wand, bevor das Gegensteuern wirkt: Bestandsrisiko. Erreicht sie den Rand: Zielrisiko. Sonst: abgedeckt.Fehlt Zweck, Spielraum, Wand,Messung oder Einwirkung?janicht prüfbarneinFehlt dem Regelplaneine Angabe?janicht nachweisbarbeherrschtneinErreicht die Abweichung die Wand,bevor das Gegensteuern wirkt?jaBestandsrisikoneinErreicht die Abweichung den Rand,bevor das Gegensteuern wirkt?jaZielrisikoneinabgedeckt

Bild 4. Vier Fragen führen zu einem der fünf Befunde. Die Fragen kommen immer in dieser Reihenfolge.

Im Beispiel der Familie:

Was passiertFolgeBefund
Die Nebenkosten steigenDie Familie reagiert früh genug (Abschnitt 4)abgedeckt
Eine Autoreparatur kostet 2.500 EuroDas Konto fällt auf 500 Euro. Das liegt unter dem Rand und über der WandZielrisiko
Das Einkommen fällt wegDas Konto sinkt um 2.000 Euro im Monat. Nach sechs Wochen ist die Wand erreichtBestandsrisiko

Risiken werden nie summiert oder gemittelt. Oben auf der Liste steht, wo am wenigsten Zeit bleibt. Dort muss am frühesten reagiert werden. Die Übersicht dazu zeigt Abschnitt 7.2.

Jemand sagt: „So schlimm wird es nicht kommen." Dann fragen Sie zurück: Welche Zahl in der Rechnung ist falsch? Wer keine Zahl nennen kann, hat nur eine Meinung. Eine Meinung ist kein Befund.

Das ist der Vorteil dieses Vorgehens. Die Rechnung ist eindeutig. Gleiche Angaben ergeben denselben Befund. Ein Risiko lässt sich nur an einer Angabe kleinreden. Jede Angabe ist benannt. Jede Angabe trägt ein Datum. Jede Angabe ist als gemessen oder geschätzt gekennzeichnet.


4. Die Auslöseschwelle
#

Wer erst am Rand reagiert, reagiert oft zu spät. Zwischen Hinschauen und Wirkung vergeht Zeit. In dieser Zeit läuft die Abweichung weiter.

Schwelle, bei der reagiert werden muss = Spielraum − (größte Abweichgeschwindigkeit × Reaktionszeit)

Die Reaktionszeit hat drei Teile:

  1. den Abstand zwischen zwei Messungen,
  2. die Zeit bis zur Entscheidung,
  3. die Zeit, bis das Mittel wirkt.

Der Abstand zwischen zwei Messungen zählt voll. Eine Abweichung kann direkt nach einer Messung beginnen.

Im Beispiel der Familie.

  1. Der Spielraum beträgt 2.000 Euro.
  2. Die Familie schaut einmal im Monat aufs Konto.
  3. Ein Vertrag lässt sich mit drei Monaten Frist kündigen.
  4. Das sind zusammen vier Monate Reaktionszeit.
  5. Die monatlichen Kosten können um bis zu 300 Euro steigen. Dann fehlen jeden Monat bis zu 300 Euro.
  6. In vier Monaten fehlen 1.200 Euro.
  7. Die Schwelle liegt 800 Euro unter dem Ziel. Die Rechnung dazu: 2.000 − 1.200 = 800.
  8. Fällt das Konto unter 2.200 Euro, muss die Familie handeln. Die Familie darf nicht bis 1.000 Euro warten.

Die Familie wartet bis 1.000 Euro. Danach fehlen noch 1.200 Euro. Das Konto erreicht dann die Wand.

Die Auslöseschwelle im Beispiel der FamilieKontostand über acht Monate. Das Konto sinkt um 300 Euro je Monat. Handelt die Familie bei 2.200 Euro, wirkt die Kündigung nach vier Monaten genau am Rand bei 1.000 Euro. Handelt die Familie erst bei 1.000 Euro, erreicht das Konto die Wand bei 0 Euro, bevor die Kündigung wirkt.Die Familie handelt bei 2.200 Euro.Die Familie handelt erst bei 1.000 Euro.01.0002.0003.000012345678Monate seit der SchwelleKonto in EuroZiel3.000Schwelle2.200Rand1.000Wand0Die Kündigung wirkt.Wand erreichtReaktionszeit: 4 Monate1 Monat bis zum Blick aufs Konto, dann 3 Monate Frist

Bild 5. Wer an der Schwelle handelt, bleibt am Rand stehen. Wer erst am Rand handelt, erreicht die Wand.

Die Rechnung ergibt eine Zahl unter null? Dann reicht der Spielraum nicht für die Reaktionszeit. Auch wer sofort reagiert, ist dann zu spät. Im Beispiel: Das Einkommen fällt weg. In vier Monaten fehlen 8.000 Euro. Der Spielraum beträgt nur 2.000 Euro.

Die Rechnung zeigt drei Stellen zum Ansetzen:

StelleWas man tun kann
1. Mehr SpielraumEinen größeren Puffer halten. Oder mit dem Abnehmer klären, ob er mehr Abweichung verträgt
2. Langsamere AbweichungDie Einwirkung begrenzen: eine Kündigungsfrist vereinbaren, einen zweiten Kunden oder Lieferanten aufbauen, eine Versicherung abschließen
3. Kürzere ReaktionszeitÖfter hinschauen. Die Entscheidung vorab treffen. Ein Mittel bereithalten, das schneller wirkt

Ein späteres Zieldatum gehört nicht zu diesen drei Stellen. Ein späteres Zieldatum macht die Rechnung nicht besser. Es ändert das Ziel.

Manchmal geht keine der drei Stellen. Dann ist das Ziel so nicht zu halten. Es bleiben zwei ehrliche Wege. Beide Wege brauchen den Auftrag des Abnehmers.

  1. Das Ziel wird geändert: bescheidener oder mit späterem Zieldatum.
  2. Das Risiko wird bewusst getragen. Dabei steht: Wer trägt es? Warum?

Gegen einen Sprung hilft keine Schwelle. Der Sprung ist da, bevor jemand reagiert. Gegen einen Sprung helfen nur zwei Dinge:

  • ein Spielraum, der den Sprung selbst aufnimmt,
  • eine Begrenzung der Einwirkung.

Zwei Beispiele für eine Begrenzung: Eine Kündigungsfrist macht aus einem Sprung eine Rampe. Eine Versicherung macht aus einer Reparatur eine planbare Rate.

Für Methodiker — Herleitung und Projektbeispiel

s = B − v_max · τ_R mit τ_R = T_Mess + T_Entscheidung + T_Wirk. B ist die Breite in Richtung der Abweichung, v_max die größte Abweichgeschwindigkeit aus der deklarierten Störmenge.

Die Beziehung ist dieselbe, aus der das Papier in Prüfung 2 die höchstens zulässige Zeitspanne zwischen Messen und Wirken zurückrechnet, hier nach der Schwelle aufgelöst. Als Formel steht sie in den Quellen nicht.

Für s < 0 folgen die drei Ansatzstellen aus den drei Größen der Formel: B, v_max, τ_R. Die drei Auswege des Papiers (verlangsamen, verbreitern, System ändern) gehören zu Prüfung 2, also zu einem Auftrag, dem das System nicht folgen kann. „Verlangsamen" heißt dort: Das Ziel bleibt, der Weg dorthin bekommt mehr Zeit. Bei einem Ziel, das gehalten statt erreicht werden soll, macht ein späteres Zieldatum die Schwelle nicht positiv. Deshalb steht es hier unter der Zieländerung.

Projektbeispiel mit erfundenen Zahlen (ausgeführt in Abschnitt 6.3): Ergebnis geplant für Woche 40, Abnehmer verträgt vier Wochen Verzug, Wand in Woche 52. Messung alle vier Wochen, Entscheidung zwei Wochen, zusätzliches Team wirkt nach sechs Wochen: τ_R = 12 Wochen. Verzug wächst um bis zu eine Woche je vier Wochen. s = 4 − 3 = eine Woche Verzug. Bei τ_R = 20 Wochen wäre s negativ.

Die drei Bandanteile einer Störung müssen getrennt geführt werden:

  1. stetig kostet Stellvermögen,
  2. langsam veränderlich kostet Reserve,
  3. sprunghaft schlägt direkt auf die Abweichung durch.

5. Regeln für den Betrieb
#

Ein Regelplan nützt nur, wenn zwei Dinge vorher feststehen: Wann wird gemessen? Was geschieht dann? Manche überlegen die Maßnahme erst, wenn die Schwelle gerissen ist. Diese Überlegung verlängert die Reaktionszeit.

5.1 Intervalle
#

  1. Der Messabstand kommt aus der Rechnung, nicht aus dem Kalender. Die Schwelle muss über null bleiben. Daraus folgt der längste erlaubte Messabstand. Nur so kann noch rechtzeitig reagiert werden. Verschiedene Schutzobjekte haben deshalb verschiedene Messabstände.

  2. Die Schwelle liegt über der üblichen Schwankung. Sonst löst die Schwelle dauernd aus. Dann nimmt niemand die Schwelle ernst. Geht das nicht, gibt es zwei Auswege. Erstens: genauer messen. Zweitens: den Spielraum mit dem Abnehmer klären.

  3. Nach einer Auslösung wird öfter gemessen. Das gilt, bis der Wert wieder das Ziel erreicht. Die Messung zeigt auch, ob die Maßnahme wirkt.

  4. Die Reaktionszeit wird gemessen, nicht angenommen. Bei jeder Auslösung werden drei Zeitpunkte festgehalten. Die Zeitpunkte sind: Schwelle gerissen, entschieden, gewirkt. Der gemessene Wert ersetzt den geschätzten Wert.

  5. Jede Angabe trägt ihr Datum. Neu gerechnet wird in drei Fällen:

    • nach jeder Auslösung,
    • bei jeder Umplanung,
    • wenn sich eine Abhängigkeit ändert. Ein Beispiel: ein neuer Kunde, Lieferant oder Vertrag.

    Der Abnehmer legt fest, wie alt eine Angabe sein darf.

5.2 Maßnahmen stehen vorher fest
#

Zu jeder Schwelle gehört eine vorab festgelegte Maßnahme. Eine Schwelle ohne Maßnahme ist nur eine Anzeige. Jede Maßnahme hat fünf Angaben:

AngabeFrage
AuslöserWelcher Messwert löst aus?
WerWer handelt, und zwar ohne Rückfrage? Braucht er eine Freigabe, zählt deren Dauer zur Reaktionszeit
WasWelches Mittel? In welcher Menge?
WirkungsprüfungWann wird nachgemessen? Welcher Wert muss dann erreicht sein?
SonstWas geschieht, wenn die Wirkung ausbleibt?

5.3 Drei Stufen
#

StufeAuslöserWas geschieht
1 — SchwelleDie Auslöseschwelle ist gerissenDie vorab festgelegte Maßnahme läuft an. Der Zuständige handelt gemäß Plan ohne Rückfrage. Es wird öfter gemessen
2 — RandDer Rand des Spielraums ist erreichtDas ist eine Abweichung. Der Abnehmer wird informiert. Ab hier muss der Abnehmer selbst etwas ändern. Entschieden wird: zurückholen, den Spielraum neu vereinbaren oder das Ziel ändern. Jede dieser Entscheidungen braucht einen Auftrag
3 — Wand in ReichweiteDie Zeit bis zur Wand ist kürzer als die ReaktionszeitDie oberste Ebene entscheidet über den Aufbau: umbauen oder aussteigen. „Weiter beobachten" ist keine zulässige Entscheidung
Drei Stufen an vier festen MarkenEin Band mit den Marken Ziel, Schwelle, Rand und Wand. Zwischen Ziel und Schwelle wird nur gemessen. Ab der Schwelle gilt Stufe 1. Ab dem Rand gilt Stufe 2. Stufe 3 gilt, sobald die Zeit bis zur Wand kürzer ist als die Reaktionszeit.Die Abweichung wächst nach rechts.ZielSchwelleRandWandmessenStufe 1Stufe 2Die Maßnahmeläuft an.Der Abnehmerentscheidet.Stufe 3: Wand in ReichweiteDie Zeit bis zur Wand ist kürzer als die Reaktionszeit.

Bild 6. Stufe 1 beginnt an der Schwelle, Stufe 2 am Rand. Stufe 3 hängt an der Zeit bis zur Wand. Stufe 3 kann deshalb schon vor dem Rand gelten.

Drei weitere Regeln:

  • Wiederholung ist eine Strukturfrage. Dieselbe Maßnahme wird zweimal ausgelöst. Der Wert kehrt trotzdem nicht zum Ziel zurück. Dann geht der Fall auf Stufe 3. Eine Einwirkung, die nicht aufhört, verbraucht die Mittel.
  • Für Sprünge gibt es einen Notfallablauf. Der Notfallablauf steht vorher fest. Der Notfallablauf wird geübt. Bei der Übung wird die Zeit bis zur Rückkehr gemessen. Ein nie geübter Ablauf gilt als „nicht nachweisbar beherrscht".
  • Die Schwere steht vorher fest. Für jedes Zielrisiko ist der Rückweg beschrieben. Dabei steht: Was kostet der Rückweg? Wie lange dauert der Rückweg?
Für Methodiker — Bedingungen

Zu 5.1 Regel 1: Aus s ≥ 0 folgt T_Mess ≤ B / v_max − T_Entscheidung − T_Wirk.

Zu 5.1 Regel 2: s muss größer sein als die erwartete Streuung des Messwerts im ungestörten Betrieb. Das ist die Messmittelfähigkeit aus Pflicht 3, angewandt auf die Schwelle.

Zu Stufe 3: Auslösung, sobald (Abstand zur Wand) ≤ v_max · τ_R der Strukturmaßnahme.

Regel 3 in 5.1 und die Wiederholungsregel sind Vorschläge dieses Textes, keine Ableitung aus den Quellen.


6. Sechs Beispiele aus einem Unternehmen
#

Die Zahlen sind erfunden. Die Firma ist ein Maschinenbauer mit 120 Beschäftigten. Jedes Beispiel beantwortet dieselben Fragen:

  1. Was ist gut? (Schritt 1)
  2. Was kann einwirken? (Schritt 3)
  3. Wie schnell kann die Firma gegensteuern? (Schritt 2)
  4. Was ergibt die Rechnung?

In den Beispielen steht die Einwirkung vor dem Regelplan. Das dient nur dem leichteren Lesen.

BeispielSchutzobjekthängt ab vonzeigt
6.1AuslastungKundenwie man die Reaktionszeit an allen drei Teilen verkürzt
6.2AuftragsabwicklungTechnikeinen Sprung, und was eine Übung wert ist
6.3Liefertermin einer SondermaschineÜbergaben zwischen Bereicheneine Schwelle, die in der üblichen Schwankung untergeht
6.4Inbetriebnahme beim KundenMenschen„nicht prüfbar", und was dann zu tun ist
6.5LieferfähigkeitLieferanteneine Wand in Reichweite, während das Lager voll ist
6.6ZahlungsfähigkeitGeldeine fehlende Angabe, und einen Spielraum, der die Einwirkung ganz aufnimmt

6.1 Ein Kunde bringt 40 Prozent der neuen Aufträge
#

Die Frage. Ein Kunde bringt 40 Prozent der neuen Aufträge. Was geschieht, wenn dieser Kunde nichts mehr bestellt?

Schritt 1: Was ist gut? Das Schutzobjekt ist die Auslastung. Die Firma misst die Auslastung am Auftragsbestand. Der Auftragsbestand ist der Vorrat an Arbeit. Die Firma zählt den Vorrat in Monaten. Die Firma sagt zum Beispiel: „Wir haben Arbeit für sechs Monate."

MarkeVorrat an ArbeitBedeutung
ZielArbeit für 6 MonateSo will die Firma dastehen
RandArbeit für 4 MonateDarunter muss die Geschäftsführung etwas ändern
WandArbeit für 2 MonateDarunter kann die Firma die Stammbelegschaft nicht halten

Der Spielraum reicht vom Ziel bis zum Rand. Der Spielraum beträgt also 2 Monate Arbeit.

Schritt 3: Was kann einwirken? Jeden Monat kommen neue Aufträge herein. Jeden Monat arbeitet die Firma Aufträge ab.

Fallkommt herein, je Monatwird abgearbeitet, je MonatVorrat
NormalArbeit für 1 MonatArbeit für 1 Monatbleibt gleich
Der große Kunde bestellt nicht mehrArbeit für 0,6 MonateArbeit für 1 Monatschrumpft um 0,4 Monate Arbeit

Die 60 Prozent sind die neuen Aufträge, nicht der Vorrat. Die neuen Aufträge bleiben bei 60 Prozent. Die Firma arbeitet aber weiter voll. Deshalb sinkt der Vorrat jeden Monat weiter.

Schritt 2: Wie schnell kann die Firma gegensteuern? Das ist der Regelplan am Anfang.

SchrittDauer
Der Auftragsbestand wird einmal im Monat berichtetbis zu 1 Monat
Die Geschäftsführung entscheidet in der nächsten Sitzungbis zu 1 Monat
Der Vertrieb gewinnt neue Kunden9 Monate
Reaktionszeit11 Monate

Rechnung. Die Tabelle zeigt den Vorrat Monat für Monat. Alle Zahlen sind Monate Arbeit.

Monate ohne den großen Kundenkommt hereinwird abgearbeitetVorrat danachMarke
06,0Ziel
10,61,05,6
20,61,05,2
30,61,04,8
40,61,04,4
50,61,04,0Rand
60,61,03,6
70,61,03,2
80,61,02,8
90,61,02,4
100,61,02,0Wand
110,61,01,6Erst jetzt wirken neue Kunden

Die Firma erreicht den Rand nach 5 Monaten. Die Firma erreicht die Wand nach 10 Monaten. Die neuen Kunden wirken erst nach 11 Monaten. Die Firma ist einen Monat zu spät. Befund: Bestandsrisiko.

Beispiel 6.1: Der Vorrat an Arbeit schrumpftLiniendiagramm über elf Monate. Der Vorrat an Arbeit fällt von 6,0 auf 1,6 Monate. Der Rand bei 4 Monaten ist nach 5 Monaten erreicht. Die Wand bei 2 Monaten ist nach 10 Monaten erreicht. Neue Kunden wirken erst nach 11 Monaten.Vorrat an Arbeit, in Monaten0123456024681012Monate ohne den großen KundenZiel6Rand4Wand2Erst nach 11 Monatenwirken neue Kunden.Rand nach 5 MonatenWand nach 10 Monaten1,6

Bild 7. Der Regelplan am Anfang. Die Wand ist nach 10 Monaten erreicht. Die neuen Kunden wirken erst nach 11 Monaten.

Niemand musste dieses Risiko melden. Das Risiko ergibt sich aus der Rechnung.

Der Regelplan nach dem Umbau. Die Firma verkürzt alle drei Schritte.

SchrittvorhernachherWas die Firma ändert
Messenbis zu 1 Monat1 WocheDer Auftragsbestand wird jede Woche gemessen
Entscheidenbis zu 1 MonatentfälltDie Maßnahme ist vorab beschlossen
Wirken9 Monate3 MonateDer Vertrieb arbeitet dauernd an anderen Kunden. Angebote liegen schon vor
Reaktionszeit11 Monate3 Monate und 1 Woche

3 Monate und 1 Woche sind rund 3,25 Monate.

Neue Rechnung: Ab wann muss die Firma handeln?

  1. Die Firma braucht 3,25 Monate zum Gegensteuern.
  2. In 3,25 Monaten schrumpft der Vorrat um 1,3 Monate Arbeit. Die Rechnung dazu: 3,25 × 0,4 = 1,3.
  3. Der Rand liegt bei 4 Monaten Arbeit.
  4. Die Schwelle liegt also 1,3 über dem Rand: 4 + 1,3 = 5,3.

Die Schwelle liegt bei 5,3 Monaten Arbeit. Fällt der Vorrat unter 5,3 Monate, handelt die Firma sofort. Die neuen Aufträge wirken dann, bevor der Rand erreicht ist. Befund: abgedeckt.

Die Maßnahmen, vorab festgelegt.

StufeAuslöserWerWasWirkungsprüfungSonst
1Auftragsbestand unter 5,3 MonatenVertriebsleitung, ohne RückfrageVorbereitete Angebote bei zwei Bestandskunden auslösenNach 3 Monaten: Der Auftragsbestand sinkt nicht mehrStufe 2
2Auftragsbestand unter 4 MonatenGeschäftsführung, binnen einer WocheKapazität anpassen, Eigentümer informierenNach 2 Monaten: Der Auftragsbestand sinkt nicht mehrStufe 3
3Auftragsbestand unter 3 MonatenEigentümer und Geschäftsführung, sofortEntscheidung über den Aufbau: Portfolio, Standort, Belegschaft——

Warum liegt Stufe 3 bei 3 Monaten? Ein Umbau der Firma braucht 2,5 Monate. In 2,5 Monaten schrumpft der Vorrat um 1 Monat Arbeit. Die Wand liegt bei 2 Monaten Arbeit. Die Rechnung dazu: 2 + 1 = 3.

6.2 Die Auftragsabwicklung fällt aus
#

Die Frage. Die Firma wickelt alle Aufträge über ihre Computersysteme ab. Was geschieht, wenn diese Systeme plötzlich ausfallen?

Schritt 1: Was ist gut? Das Schutzobjekt ist die Auftragsabwicklung. Die Firma misst den Stillstand in Tagen.

MarkeStillstandBedeutung
Ziel0 TageDie Auftragsabwicklung läuft
Rand1 TagSo viel Stillstand vertragen die Kunden
Wand5 TageDann greifen Vertragsstrafen. Der wichtigste Kunde vergibt den Auftrag neu

Schritt 3: Was kann einwirken? Die Einwirkung ist ein Sprung. Die Systeme fallen von einem Moment auf den anderen aus. Eine Schwelle hilft hier nicht (Abschnitt 4).

Schritt 2: Wie schnell kann die Firma gegensteuern? Die Firma hat eine Datensicherung. Die Firma hat einen Notfallablauf für den Wiederanlauf. Entscheidend ist die Dauer des Wiederanlaufs.

StandBefund
Die Firma hat den Wiederanlauf nie geübt. Die Dauer ist unbekanntnicht nachweisbar beherrscht
Die Firma übt den Wiederanlauf. Die Übung ergibt 3 Tage. Das ist mehr als 1 Tag und weniger als 5 TageZielrisiko. Die Schwere ist bekannt: 3 Tage Stillstand und der Aufwand der Wiederherstellung
Der Wiederanlauf dauert weniger als 1 Tag, etwa durch ein zweites System. Oder die Kunden vereinbaren einen größeren Spielraumabgedeckt
Beispiel 6.2: Dauer des WiederanlaufsZeitstrahl in Tagen. Der Rand liegt bei 1 Tag, die Wand bei 5 Tagen. Ohne Übung ist die Dauer unbekannt: nicht nachweisbar beherrscht. Die Übung ergibt 3 Tage: Zielrisiko. Ein Wiederanlauf in unter 1 Tag: abgedeckt.Rand: 1 TagWand: 5 Tage?Nie geübt, Dauer unbekannt:nicht nachweisbar beherrschtDie Übung ergibt 3 Tage:ZielrisikoWiederanlauf in unter 1 Tag:abgedeckt0123456Tage Stillstand

Bild 8. Erst die Übung liefert die Zahl. 3 Tage liegen hinter dem Rand und vor der Wand.

Viele Betriebe müssen das ohnehin. Diese Übung ist keine Zusatzarbeit dieses Vorgehens. Manche Betriebe fallen unter die NIS-2-Regeln der Europäischen Union. Diese Betriebe brauchen Maßnahmen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das Gesetz nennt dafür Datensicherung und Wiederherstellung nach einem Notfall. Diese Betriebe müssen außerdem bewerten, ob ihre Maßnahmen wirken.

In Deutschland steht diese Anforderung in § 30 des BSI-Gesetzes. Das Wort „üben" steht dort nicht. Ohne Übung lässt sich ein Wiederanlauf aber nicht bewerten.

Zwei Normen sind deutlicher. ISO 22301 ist die Norm für betriebliches Kontinuitätsmanagement. ISO 22301 verlangt Übungen und Tests ausdrücklich. ISO/IEC 27001 ist die Norm für Informationssicherheit. ISO/IEC 27001 führt den getesteten Wiederanlauf der Informationstechnik im Maßnahmenkatalog.

Die fehlende Zahl fällt also bei einer Pflicht an. Viele Betriebe haben diese Pflicht schon. Wie diese Stellen geprüft sind, steht in Abschnitt 10.

6.3 Eine Sondermaschine soll zum Termin fertig sein
#

Die Frage. Die Firma baut eine Sondermaschine für einen Kunden. Wird die Maschine zum zugesagten Termin fertig?

Schritt 1: Was ist gut? Das Schutzobjekt ist der Liefertermin. Die Firma misst den Verzug in Wochen. Der Verzug zeigt den Rückstand gegenüber dem Plan. Der Kunde hat die zwei Fragen aus Abschnitt 3 beantwortet.

MarkeVerzugBedeutung
Ziel0 WochenDie Abnahme ist in Kalenderwoche 40
Rand4 WochenAb hier muss der Kunde seinen eigenen Anlauf umplanen
Wand12 WochenAb hier braucht der Kunde die Maschine nicht mehr

Der Spielraum beträgt also 4 Wochen Verzug.

Wie genau trifft die Firma ihre Termine? Die Firma hat ihre letzten fünf Sondermaschinen ausgewertet. Die schnellste Maschine war 2 Wochen vor dem Plan fertig. Die langsamste Maschine war 3 Wochen nach dem Plan fertig. Die Firma erwartet deshalb: fertig zwischen Woche 38 und 43. Diese Spanne ist gemessen, nicht geschätzt. Die Spanne endet vor dem Rand in Woche 44.

Schritt 3: Was kann einwirken? Zwei Abteilungen arbeiten nacheinander.

  • Die Systementwicklung legt fest, was die Maschine können muss.
  • Die Softwareentwicklung programmiert danach die Steuerung.

Die Systementwicklung übergibt ihre Vorgaben an die Softwareentwicklung. Für diese Übergabe gibt es eine Vereinbarung. Die Vereinbarung sagt: Was wird übergeben? Bis wann? In welchem Stand?

Das kann schiefgehen:

  • Die Vorgaben kommen später als vereinbart.
  • Die Vorgaben ändern sich nach der Übergabe.

Die Softwareentwicklung muss dann warten oder neu anfangen. Der Verzug wächst. Das ist kein Pech. Die Vereinbarung ist dann schlecht, oder niemand hält sie ein.

Wie schnell wächst der Verzug? Die Firma hat das an ihren letzten Projekten gemessen. Alle 4 Wochen kam höchstens 1 Woche Verzug dazu.

Schritt 2: Wie schnell kann die Firma gegensteuern? Das ist der Regelplan am Anfang.

SchrittDauer
Der Projektstand wird alle 4 Wochen berichtetbis zu 4 Wochen
Die Geschäftsführung gibt die Maßnahme frei2 Wochen
Zwei weitere Softwareentwickler arbeiten sich ein6 Wochen
Reaktionszeit12 Wochen

Die zwei Entwickler kommen aus dem Service. Die zwei Entwickler sind nur geliehen. Der Service zahlt dafür mit längeren Antwortzeiten. Die 6 Wochen sind gemessen. So lange dauerte die Einarbeitung in früheren Projekten.

Rechnung: Ab wann muss die Firma handeln?

  1. Die Firma braucht 12 Wochen zum Gegensteuern.
  2. In 12 Wochen wächst der Verzug um 3 Wochen. Die Rechnung dazu: 12 ÷ 4 = 3.
  3. Der Rand liegt bei 4 Wochen Verzug.
  4. Die Schwelle liegt also 3 Wochen vor dem Rand. Die Rechnung dazu: 4 − 3 = 1.

Die Schwelle liegt bei 1 Woche Verzug. Die Tabelle zeigt den schlimmsten Fall.

Wochen seit der SchwelleWas geschiehtVerzug
0Der Verzug erreicht 1 Woche. Noch sieht das niemand1,0 Wochen
4Der nächste Bericht zeigt den Verzug2,0 Wochen
6Die Geschäftsführung gibt die Maßnahme frei2,5 Wochen
12Die zwei Entwickler sind eingearbeitet. Der Verzug wächst nicht mehr4,0 Wochen = Rand

Die Rechnung geht auf. Im Alltag taugt die Schwelle trotzdem nicht.

Das Problem: Die Messung schwankt. Die Terminmeldung schwankt von Bericht zu Bericht um 1 Woche. Das zeigen die Berichte der letzten Projekte. Ein Bericht meldet 1 Woche Verzug. Dabei ist nichts passiert. Die Schwelle löst dann dauernd aus. Bald nimmt niemand die Schwelle mehr ernst. Das verbietet Abschnitt 5.1, Regel 2.

Der Regelplan nach der Änderung.

SchrittvorhernachherWas die Firma ändert
Messenbis zu 4 Wochenbis zu 2 WochenDie Firma misst alle 2 Wochen
Entscheiden2 WochenentfälltDie Maßnahme ist vorab beschlossen
Wirken6 Wochen6 Wochenbleibt gleich
Reaktionszeit12 Wochen8 Wochen

Die Firma misst außerdem anders. Vorher meldete jeder Mitarbeiter einen Fortschritt in Prozent. Jetzt zählt die Firma nur abgenommene Zwischenergebnisse. Ein Zwischenergebnis ist abgenommen oder nicht abgenommen. Diese Messung schwankt nur um eine halbe Woche. Die Firma hat das an drei alten Projekten nachgerechnet.

Neue Rechnung.

  1. Die Firma braucht jetzt 8 Wochen zum Gegensteuern.
  2. In 8 Wochen wächst der Verzug um 2 Wochen. Die Rechnung dazu: 8 ÷ 4 = 2.
  3. Der Rand liegt bei 4 Wochen Verzug.
  4. Die Schwelle liegt also 2 Wochen vor dem Rand. Die Rechnung dazu: 4 − 2 = 2.

Die Schwelle liegt bei 2 Wochen Verzug. Die Schwelle liegt damit klar über der Schwankung. Ab 2 Wochen Verzug holt die Projektleitung die zwei Entwickler. Die Projektleitung fragt dafür niemanden mehr. Befund: abgedeckt.

Beispiel 6.3: Schwelle und SchwankungZwei Balken über dem Verzug in Wochen. Vorher schwankt die Meldung um 1 Woche, die Schwelle liegt bei 1 Woche. Nachher schwankt die Meldung um eine halbe Woche, die Schwelle liegt bei 2 Wochen.übliche Schwankung der MeldungSchwelleVorherDie Schwelle löst dauernd aus.NachherDie Schwelle hat Abstand.Rand01234Verzug in Wochen

Bild 9. Vorher liegt die Schwelle in der Schwankung. Nachher liegt die Schwelle klar über der Schwankung.

Die Ursache beheben. Der Regelplan fängt nur die Folgen ab. Die Ursache liegt in der Übergabe. Die Firma schreibt deshalb die Vereinbarung zwischen den Abteilungen fest:

  • Was übergibt die Systementwicklung?
  • Bis wann?
  • In welchem Stand?
  • Wer darf danach noch etwas ändern? Mit wessen Auftrag?

Hält die Vereinbarung, wächst der Verzug langsamer. Das ist die zweite Stelle aus Abschnitt 4. Die Firma rechnet trotzdem weiter mit der alten Zahl. Erst eine neue Messung darf die Zahl ändern.

Was keine Maßnahme ist. Den Termin schieben ist keine Maßnahme. Den Termin schieben ändert das Ziel. Dafür braucht die Firma den Auftrag des Kunden. Weniger testen ist auch keine Maßnahme. Weniger testen verschiebt die Abweichung nur in die Maschine. Der Test findet dann beim Kunden statt. Der Testbericht steht dann in der Zeitung.

6.4 Nur einer kann die Steuerung in Betrieb nehmen
#

Die Frage. Die Firma baut eine wichtige Baureihe. Nur ein Mitarbeiter kann deren Steuerung in Betrieb nehmen. Was geschieht, wenn dieser Mitarbeiter fehlt?

Schritt 1: Was ist gut? Das Schutzobjekt ist die Inbetriebnahme beim Kunden.

AngabeStand
Zielbekannt: Jede Maschine geht zum zugesagten Termin in Betrieb
Randfehlt: Niemand hat die Kunden gefragt, wie viel Verzug sie vertragen
Wandfehlt: Niemand weiß, ab wann ein Kunde vom Vertrag zurücktritt
Messungfehlt: Es gibt keine Liste, wer welche Inbetriebnahme durchführen kann

Befund: nicht prüfbar. Das heißt nicht „kein Risiko". Das heißt: Niemand kann sagen, ob ein Risiko besteht.

Was die Firma schon weiß. Das Mittel wäre ein zweiter geeigneter Mitarbeiter. Die Firma organisiert sich dann nach Rollen und Kompetenzen. Die Firma hängt dann nicht mehr an einzelnen Personen. Die Einarbeitung dauert etwa 6 Monate. Diese Zahl ist geschätzt. Niemand hat die Einarbeitungszeit bisher gemessen.

FallVorwarnungSo lange kann niemand in Betrieb nehmen
Der Mitarbeiter kündigt3 Monate Kündigungsfrist3 Monate
Der Mitarbeiter fällt plötzlich auskeine6 Monate

Ist das ein Zielrisiko oder ein Bestandsrisiko? Das hängt von Rand und Wand ab. Rand und Wand fehlen noch.

Was die Firma jetzt tut. Jede fehlende Angabe bekommt eine verantwortliche Rolle und ein Datum.

Fehlende AngabeWer liefert sieBis wann
Rand und WandDie Vertriebsleitung stellt den fünf größten Kunden die beiden FragenMonatsende
MessungDie Serviceleitung führt eine Liste: Wer hat welche Inbetriebnahme wann zuletzt selbst gemacht?ab sofort

Danach rechnet die Firma. Ein Beispiel: Die Kunden vertragen 2 Wochen Verzug. Nach 8 Wochen treten die Kunden vom Vertrag zurück. Dann ist schon die Kündigung ein Bestandsrisiko. 3 Monate ohne Inbetriebnahme stehen gegen 8 Wochen.

6.5 Ein Bauteil kommt von einem einzigen Lieferanten
#

Die Frage. Das Maschinenbett aus Guss kommt von einer einzigen Gießerei. Was geschieht, wenn diese Gießerei ausfällt? Eine solche Abhängigkeit gibt es auch in der Chipfertigung. ASML bezieht die Optik seiner Belichtungsmaschinen von Zeiss.

Schritt 1: Was ist gut? Das Schutzobjekt ist die Lieferfähigkeit. Die Firma misst den Vorrat an Maschinenbetten. Die Firma zählt den Vorrat in Wochen. Ein Beispiel: „Der Vorrat reicht für sechs Wochen Montage."

MarkeStandBedeutung
ZielVorrat für 6 WochenSo will die Firma dastehen
RandVorrat für 3 WochenDarunter muss die Firma die Montage umplanen
Wand6 Wochen Stillstand der MontageDann dürfen drei Kunden vom Vertrag zurücktreten

Der Spielraum reicht vom Ziel bis zum Rand. Der Spielraum beträgt also 3 Wochen Vorrat.

Schritt 3: Was kann einwirken? Die Gießerei fällt aus. Es kommen keine Maschinenbetten mehr. Die Montage arbeitet aber weiter. Die Montage verbraucht jede Woche den Vorrat für eine Woche.

Wochen ohne die GießereiStandMarke
0Vorrat für 6 WochenZiel
3Vorrat für 3 WochenRand
6Der Vorrat ist aufgebraucht. Die Montage steht
126 Wochen StillstandWand

Schritt 2: Wie schnell kann die Firma gegensteuern? Das Mittel ist ein zweiter Lieferant.

SchrittDauer
Die ausbleibende Lieferung fällt aufbis zu 1 Woche
Die Geschäftsführung entscheidet1 Woche
Der zweite Lieferant baut ein Gussmodell, liefert Muster und wird freigegeben26 Wochen
Reaktionszeit28 Wochen

Die 26 Wochen sind eine Schätzung des Einkaufs.

Rechnung. Die Wand ist nach 12 Wochen erreicht. Der zweite Lieferant liefert erst nach 28 Wochen. Die Firma ist 16 Wochen zu spät. Befund: Bestandsrisiko.

Hält der Befund, obwohl die 26 Wochen nur geschätzt sind? Ja. Auch die halbe Zeit wäre zu lang. Die Rechnung dazu: 1 + 1 + 13 = 15 Wochen. Die Wand ist nach 12 Wochen erreicht.

Das Lager ist heute voll. Der Vorrat reicht für 6 Wochen, genau wie geplant. Ein Blick ins Lager zeigt das Risiko also nicht. Erst die Rechnung zeigt das Risiko.

Stufe 3 gilt sofort. Die Zeit bis zur Wand ist kürzer als die Reaktionszeit. Das ist Stufe 3 aus Abschnitt 5.3. Stufe 3 gilt, obwohl noch nichts passiert ist. Eigentümer und Geschäftsführung entscheiden jetzt über den Aufbau. Die Rechnung zeigt drei Stellen zum Ansetzen (Abschnitt 4).

StelleWas die Firma tun kannFolge
Mehr SpielraumDie Firma hält mehr VorratNötig wäre Vorrat für 31 Wochen. Das bindet Geld und Platz
Langsamere AbweichungEin zweiter Lieferant liefert dauerhaft die HälfteFällt ein Lieferant aus, sinkt der Vorrat halb so schnell
Kürzere ReaktionszeitDie Firma gibt den zweiten Lieferanten vorab frei. Der Lieferant liefert 8 Wochen nach AbrufDie Reaktionszeit sinkt auf 9 Wochen

Der Regelplan nach dem Umbau. Die Firma wählt die dritte Stelle.

SchrittvorhernachherWas die Firma ändert
Auffallenbis zu 1 Wochebis zu 1 Wochebleibt gleich
Entscheiden1 WocheentfälltDer Abruf ist vorab beschlossen
Wirken26 Wochen8 WochenDer zweite Lieferant ist schon freigegeben
Reaktionszeit28 Wochen9 Wochen

Neue Rechnung. Die Wand ist nach 12 Wochen erreicht. Der zweite Lieferant liefert nach 9 Wochen. Die Firma erreicht die Wand nicht mehr. Der Rand wird weiter erreicht. Die Montage steht von Woche 6 bis Woche 9. Das sind 3 Wochen Stillstand.

Beispiel 6.5: Reaktionszeit gegen WandZeitstrahl in Wochen. Der Vorrat reicht 6 Wochen, der Rand liegt bei 3 Wochen. Danach steht die Montage. Die Wand ist nach 12 Wochen erreicht. Vorher liefert der zweite Lieferant nach 28 Wochen, nachher nach 9 Wochen.Rand: 3 WochenWand: 12 WochenOhne die Gießerei: erst Vorrat, dann StillstandVorratStillstandVorher: Der zweite Lieferant liefert nach 28 Wochen.Nachher: Der zweite Lieferant liefert nach 9 Wochen.0481216202428Wochen ohne die Gießerei

Bild 10. Vorher kommt die Lieferung 16 Wochen nach der Wand. Nachher kommt die Lieferung 3 Wochen vor der Wand.

StandBefund
Die 8 Wochen sind nur geschätzt. Der Abruf wurde nie erprobtnicht nachweisbar beherrscht (Abschnitt 5.3)
Eine Probebestellung bestätigt die 8 WochenZielrisiko. Die Schwere ist bekannt: 3 Wochen Stillstand
Die Firma hält zusätzlich Vorrat für 12 Wochen statt für 6abgedeckt

Lohnt sich der größere Vorrat? Das entscheidet die Geschäftsführung. Sagt die Geschäftsführung nein, trägt die Firma das Zielrisiko bewusst. Die Firma schreibt dann auf: Wer trägt das Risiko? Warum? Das verlangt Abschnitt 4.

6.6 Kunden zahlen später
#

Die Frage. Kunden zahlen ihre Rechnungen später als vereinbart. Reicht das Geld der Firma trotzdem?

Schritt 1: Was ist gut? Das Schutzobjekt ist die Zahlungsfähigkeit. Die Firma misst die freien Mittel. Die freien Mittel sind: Guthaben plus freier Teil der Kreditlinie.

MarkeFreie MittelBedeutung
Ziel600.000 EuroSo will die Firma dastehen
Rand300.000 EuroDarunter muss die Firma Zahlungen an Lieferanten strecken
Wand0 EuroDie Firma kann Löhne und Lieferanten nicht mehr bezahlen

Der Spielraum reicht vom Ziel bis zum Rand. Der Spielraum beträgt also 300.000 Euro.

Schritt 3: Was kann einwirken? Jede Woche kommt Geld von Kunden herein. Jede Woche zahlt die Firma Rechnungen. Normal ist beides gleich hoch. Die freien Mittel bleiben dann gleich.

Zahlen Kunden später, kommt weniger Geld herein. Die Firma zahlt aber weiter wie bisher. Die Firma hat ihre Zahlungseingänge der letzten drei Jahre ausgewertet. Im schlimmsten Fall fehlten 100.000 Euro je Woche. Das dauerte höchstens 6 Wochen. Danach trafen die verspäteten Zahlungen ein.

Wochen mit verspäteten ZahlungenFreie MittelMarke
0600.000 EuroZiel
1500.000 Euro
2400.000 Euro
3300.000 EuroRand
4200.000 Euro
5100.000 Euro
60 EuroWand

Schritt 2: Wie schnell kann die Firma gegensteuern? Das Mittel ist eine höhere Kreditlinie bei der Hausbank.

SchrittDauer
Die Firma stellt die freien Mittel jeden Freitag festbis zu 1 Woche
Die Geschäftsführung entscheidet in der Woche darauf1 Woche
Die Hausbank erhöht die Kreditlinieunbekannt. Niemand hat die Bank gefragt
Reaktionszeitunbekannt

Dem Regelplan fehlt eine Angabe. Befund: nicht nachweisbar beherrscht.

Die Firma fragt die Bank. Angenommen, die Bank antwortet: 6 Wochen. Die Bank braucht aktuelle Zahlen und einen Beschluss. Die Reaktionszeit beträgt dann 8 Wochen. Die Rechnung dazu: 1 + 1 + 6 = 8. Die Wand ist aber schon nach 6 Wochen erreicht. Die Firma ist 2 Wochen zu spät. Befund: Bestandsrisiko.

Das ist die schlechtere Nachricht. Es ist trotzdem der bessere Stand. Jetzt weiß die Firma, dass etwas zu tun ist.

Der Umbau: mehr Spielraum. Die Firma wartet nicht auf den Ernstfall. Die Firma lässt die Kreditlinie vorab um 400.000 Euro erhöhen. Die freien Mittel betragen jetzt 1.000.000 Euro. Das ist das neue Ziel.

Wochen mit verspäteten ZahlungenFreie MittelMarke
01.000.000 Euroneues Ziel
3700.000 Euro
6400.000 Eurotiefster Stand. Der Rand liegt bei 300.000 Euro

Die freien Mittel bleiben über dem Rand. Befund: abgedeckt. Der Spielraum fängt die ganze Einwirkung auf. Niemand muss rechtzeitig reagieren.

Beispiel 6.6: Freie Mittel über sechs WochenLiniendiagramm über sechs Wochen. Vorher fallen die freien Mittel von 600.000 Euro auf 0 Euro, also bis zur Wand. Mit der höheren Kreditlinie fallen sie von 1.000.000 Euro auf 400.000 Euro und bleiben über dem Rand bei 300.000 Euro.mit der höheren KreditlinievorherFreie Mittel in Euro0200.000400.000600.000800.0001.000.0000123456Wochen mit verspäteten ZahlungenRand300.000Wand0400.000

Bild 11. Vorher erreichen die freien Mittel nach 6 Wochen die Wand. Mit der höheren Kreditlinie bleiben die freien Mittel über dem Rand.

Die höhere Kreditlinie ist geliehen. Die höhere Kreditlinie kostet Geld. Das gilt auch, wenn die Firma sie nie braucht.

Hier zählt die dritte Angabe der Einwirkung: wie lange. Die Einwirkung endet nach 6 Wochen. Nur deshalb reicht ein größerer Spielraum.

Die Firma kann auch an der Ursache ansetzen. Die Firma vereinbart Anzahlungen und Abschlagsrechnungen. Dann fehlt je Woche weniger Geld. Das ist die zweite Stelle aus Abschnitt 4.


7. Bewertung und Übersicht
#

7.1 Schwere und Kontrollierbarkeit
#

Zwei Größen ordnen die Risiken: Schwere und Kontrollierbarkeit. Sie messen oder rechnen beide Größen. Eine Schätzung auf einer Skala reicht dafür nicht.

GrößeFrageBeispiel
SchwereWas kostet der Rückweg an Aufwand und an Zeit?Abschnitt 6.2: drei Tage Stillstand und der Aufwand der Wiederherstellung
KontrollierbarkeitWelcher Teil des Spielraums geht in der Reaktionszeit verloren?Die Familie: 1.200 von 2.000 Euro. Das ist 0,6

Zur Schwere. An der Wand gibt es keinen Rückweg. Die Schwere ist dort unendlich. Sie legen die Schwere vorher fest. Der Rückweg steht im Regelplan. Wo möglich, üben und messen Sie den Rückweg (Abschnitt 5.3).

Zur Kontrollierbarkeit. Unter dem Wert 1 kommt das Gegensteuern rechtzeitig. Ab dem Wert 1 ist das Risiko nicht kontrollierbar.

Zur Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit steht nicht in der Definition. Dafür gibt es zwei Gründe.

  1. Wahrscheinlichkeit lässt sich oft nicht messen. Eine geschätzte Zahl sieht genauer aus, als sie ist.
  2. Auch ein seltenes Ereignis kann die Wand erreichen. Das Ereignis bleibt dann ein Bestandsrisiko.

Manchmal ist die Häufigkeit gemessen. Dann darf die Häufigkeit die Reihenfolge innerhalb eines Befunds bestimmen. Eine geschätzte Wahrscheinlichkeit trägt immer den Vermerk „geschätzt".

7.2 Die Stabilitätsmatrix
#

Die übliche Risikomatrix zeigt Wahrscheinlichkeit gegen Auswirkung. Die Risikomatrix zeigt nur, was jemandem eingefallen ist. An ihre Stelle tritt hier die Stabilitätsmatrix. Die Stabilitätsmatrix beantwortet zwei Fragen:

  • Wo hält der erlaubte Raum?
  • Wo hat noch niemand hingeschaut?
Teil der MatrixInhalt
Zeilendie Schutzobjekte
Spaltenwovon die Schutzobjekte abhängen: Kunden (Aufträge), Lieferanten (Zulieferung), Geld (Zahlungseingänge und Kredit), Menschen, Technik, Übergaben zwischen Bereichen
Zelleder Befund aus Schritt 3

„Stabil" heißt nicht unbeweglich. Stabil heißt: Das Schutzobjekt bleibt trotz Einwirkung im erlaubten Raum. Das gelingt, weil rechtzeitig gegengesteuert wird.

Die sechs Beispiele aus Abschnitt 6 ergeben dieses Bild:

SchutzobjektKundenLieferantenGeldMenschenTechnikÜbergaben
Auslastungabgedecktoffenoffenoffenoffenoffen
AuftragsabwicklungoffenoffenoffenoffenZielrisikooffen
Liefertermin Sondermaschineoffenoffenoffenoffenoffenabgedeckt
Inbetriebnahme beim Kundenoffenoffenoffennicht prüfbaroffenoffen
LieferfähigkeitoffenBestandsrisikooffenoffenoffenoffen
Zahlungsfähigkeitoffenoffennicht nachweisbar beherrschtoffenoffenoffen

„Offen" heißt: Diese Zelle hat noch niemand untersucht. „Offen" zählt als „nicht prüfbar".

Zählen, nicht verrechnen.

BefundAnzahl der Zellen
abgedeckt2
Zielrisiko1
Bestandsrisiko1
nicht nachweisbar beherrscht1
nicht prüfbar31, davon 30 noch nicht untersucht
Summe36

Die Firma hat 6 von 36 Zellen untersucht. Das ist kein schlechtes Zeugnis. Das ist die erste ehrliche Aussage zum Wert der Übersicht.

Wo zuerst? Die Matrix zeigt, wo etwas nicht hält. Die Reihenfolge kommt aus der Zeit.

Verbleibende Zeit = Zeit, die bleibt − Zeit, die es braucht

BegriffBedeutungBei einem Sprung
Zeit, die bleibtSo lange dauert es vom heutigen Messwert bis zum Rand. Gerechnet wird der schlimmste FallSo lange verträgt der Abnehmer den Ausfall
Zeit, die es brauchtdie ReaktionszeitSo lange dauert der Rückweg
Verbleibende ZeitBedeutung
über nullSo viel Luft bleibt noch
genau nullDie Schwelle ist erreicht. Heute muss gehandelt werden
unter nullEs ist zu spät, auch bei sofortigem Handeln

Dieselbe Rechnung gibt es bis zur Wand.

Das Beispiel der Familie. Das Konto steht bei 2.200 Euro. Der Rand liegt bei 1.000 Euro. Bis zum Rand sind es also 1.200 Euro. Jeden Monat gehen höchstens 300 Euro verloren. Die Zeit, die bleibt: 1.200 ÷ 300 = 4 Monate. Die Zeit, die es braucht: 4 Monate. Die verbleibende Zeit ist null. Die Familie muss heute handeln. Das ist die Schwelle aus Abschnitt 4, in Zeit ausgedrückt.

Die sechs Beispiele, Stand heute. Die Tabelle steht in der Reihenfolge der Rangliste.

SchutzobjektStand heuteBefundZeit, die bleibtZeit, die es brauchtVerbleibende Zeit
Lieferfähigkeit (6.5)vor der Entscheidung. Vorrat für 6 Wochen, wie geplantBestandsrisikobis zum Rand 3 Wochen, bis zur Wand 12 Wochen28 Wochen−25 Wochen. Bis zur Wand: −16 Wochen
Auftragsabwicklung (6.2)nach der Übung. Die Systeme laufenZielrisiko1 Tag Stillstand, bis zur Wand 5 Tage3 Tage−2 Tage. Bis zur Wand: +2 Tage
Zahlungsfähigkeit (6.6)Bank noch nicht gefragt. Freie Mittel 600.000 Euro, wie geplantnicht nachweisbar beherrschtbis zum Rand 3 Wochen, bis zur Wand 6 Wochenunbekanntnicht gerechnet. Es fehlt: Dauer einer Krediterhöhung
Inbetriebnahme beim Kunden (6.4)Angaben fehlennicht prüfbarunbekannt6 Monate, geschätztnicht gerechnet. Es fehlen: Rand, Wand, Messung
Liefertermin Sondermaschine (6.3)nach der Änderung. Verzug heute 1 Wocheabgedeckt12 Wochen8 Wochen+4 Wochen
Auslastung (6.1)nach dem Umbau. Auftragsbestand heute 5,8 Monateabgedeckt4,5 Monate3,25 Monate+1,25 Monate

7.3 Regeln für die Darstellung
#

Die Übersicht beantwortet vier Fragen:

FrageWas die Übersicht zeigt
Wie viele Fälle je Befund?die Zählung, ohne Verrechnung
Wo zuerst?die Rangliste nach verbleibender Zeit
Wo genau, und wo hat noch niemand hingeschaut?die Stabilitätsmatrix
Was ist heute zu tun?fällige Messungen, gerissene Schwellen mit ihrer Stufe (Abschnitt 5.3), fehlende Angaben mit Namen und Datum

Sieben Regeln gelten für jede Übersicht. Die Regeln gelten auf Papier, in Tabellen und in Programmen.

  1. Zählen ja, verrechnen nein. Es gibt keinen Gesamtwert. Es gibt keinen Durchschnitt. Es gibt keine Ampel über alles. Erlaubt ist nur das Zählen je Befund. Sie dürfen auch je Zeile oder je Spalte zählen. Zehn abgedeckte Zellen gleichen ein Bestandsrisiko nicht aus.

  2. Kein leeres Feld. Jede Zelle trägt einen der fünf Befunde. Oder die Zelle trägt den Vermerk „hängt nicht davon ab". Dieser Vermerk braucht einen Satz Begründung. Eine nicht untersuchte Zelle ist „nicht prüfbar". Jede Zelle ohne Rechnung nennt drei Dinge: Welche Angabe fehlt? Wer liefert die Angabe? Bis wann?

  3. Befund und Lage sind zwei Angaben. Der Befund sagt: Das kann im schlimmsten Fall geschehen. Die Lage sagt: Hier steht der Messwert heute. Ein abgedeckter Fall kann heute unter der Schwelle liegen. Bei einem Bestandsrisiko kann der Messwert heute trotzdem stimmen. Ein Beispiel steht in Abschnitt 6.5.

  4. Vier feste Marken. Sie zeigen jeden Messwert gegen dieselben vier Marken. Die Marken heißen immer: Ziel, Schwelle, Rand, Wand. Die Reihenfolge der Marken bleibt immer gleich. Manchmal liegt die Schwelle rechnerisch unter null. Dann schreiben Sie das hin. Es gibt dann keinen Wert, bei dem Handeln rechtzeitig wäre.

  5. Reihenfolge nach Zeit. Die Rangliste hat vier Gruppen. Die Gruppen stehen in dieser Reihenfolge:

    1. Fälle, in denen die Wand erreichbar ist,
    2. Fälle, in denen der Rand erreichbar ist,
    3. Fälle ohne Rechnung,
    4. abgedeckte Fälle.

    In jeder Gruppe steht oben, wo am wenigsten Zeit bleibt. Die Gruppe „Fälle ohne Rechnung" lassen Sie nie weg.

  6. Jede Zahl zeigt ihre Herkunft. Jede Zahl ist gemessen oder geschätzt. Jede Zahl trägt ein Datum. Jede Zahl nennt das Messmittel oder die Methode. Manchmal ändert sich das Messmittel oder die Methode. Dann sind die Zahlen oft nicht vergleichbar. Auch „abgedeckt" trägt ein Datum: Wann wurde zuletzt gerechnet? Zu jeder Zelle gehört ein Blatt wie in Abschnitt 6. Das Blatt zeigt alle Angaben der Rechnung. So kann jeder fragen: Welche Zahl ist falsch?

  7. Wort vor Farbe. Der Befund steht als Wort in der Zelle. Farbe darf den Befund unterstützen. Farbe darf den Befund nie ersetzen. Fünf Befunde passen nicht in drei Ampelfarben. „Nicht prüfbar" ist nie grün und nie leer.

Für Methodiker — Einordnung der Übersicht

Zum Namen: In der Regelungstechnik nennen manche Autoren eine Matrix, deren Eigenwerte alle negativen Realteil haben, ebenfalls Stabilitätsmatrix (Hurwitz-Matrix). Gemeint ist hier keine Rechenmatrix, sondern die Übersicht, wo der erlaubte Raum gehalten wird.

Die Zelle ist die Beziehung Einwirkung → Schutzobjekt aus Abschnitt 2, je Kanal. „Kein leeres Feld" ist die Regel der Definition of Done aus dem Papier „Erlaubter Raum" (dort Abschnitt 6), angewandt auf Schutzobjekt × Abhängigkeit: Jede Zelle ist entschieden oder trägt ein sichtbares Kennzeichen. „Hängt nicht davon ab" entspricht dort „begründet nicht anwendbar".

Befund und Lage entsprechen der Trennung von Deklarationszeit und Laufzeit im Papier (dort Abschnitt 6): Der Befund wird aus den Angaben gerechnet, bevor etwas geschieht. Die Lage ist Prüfung 1 am laufenden Messwert.

Verbleibende Zeit t_v = d_Rand / v_max − τ_R, mit d_Rand als Abstand des heutigen Messwerts zum Rand. Das ist Reichweite minus Reaktionszeit; t_v < 0 ist die Prüfregel „Reaktionszeit > Reichweite" (Methodenbeschreibung 6.5). Gleichwertig: t_v = (Abstand des heutigen Messwerts zur Schwelle) / v_max.

Die Rangliste folgt Pflicht 4: je Größe einzeln, kürzeste Reichweite oben, nie gemittelt (Methodenbeschreibung 6.4). Die Zählung je Befund ist eine Anzeige, keine Stellgröße (Methodenbeschreibung 4.3, Bedingung B): Stellen lässt sich nur an der einzelnen Zelle.

Vorschläge dieses Textes, keine Ableitung aus den Quellen: die Form der Matrix, die Reihenfolge der Gruppen in der Rangliste, der Platz der Fälle ohne Rechnung und die Regel „Wort vor Farbe".


8. Abweichung, Umplanung, Chance
#

Sie messen gegen den eingefrorenen Plan. Der eingefrorene Plan ist der Plan vom Tag der Entscheidung. Ein Beispiel: Ein Projekt wird teurer. Die Firma rechnet die Mehrkosten in den nächsten Plan ein. Gegen den neuen Plan gibt es keine Abweichung mehr. Das Warnsignal ist damit gelöscht.

Deshalb braucht jede Umplanung einen Auftrag. Der Auftrag nennt drei Dinge:

  • Wer hat die Umplanung beschlossen?
  • Wann?
  • Warum wurde der Wert nicht zurückgeholt?

Auch alle Umplanungen zusammen haben einen Spielraum. Wie weit darf der Plan vom ersten Plan abweichen? Diese Grenze nennt der Abnehmer vorher.

„Schneller als geplant" ist ein Signal, noch keine Chance. „Schneller" kann vier Dinge bedeuten:

Was dahinterstecktWas daraus folgt
Das Ergebnis erfüllt sein Kriterium nicht. Etwas wurde weggelassenDas ist ein Mangel, keine Chance
Die Schätzung war falschDie Schätzung wird korrigiert
Der Schritt bestimmt den Endtermin nichtNur die Reserve wächst. Das senkt das Risiko. Schneller wird nichts
Der Schritt bestimmt den Endtermin, und das Kriterium ist erfülltErst jetzt ist ein schnellerer Weg erreichbar

Auch der vierte Fall ist noch keine Chance. Jemand mit Entscheidungsbefugnis muss den schnelleren Weg beauftragen. Erst dann ist es eine Chance.

Bei Personen ist es umgekehrt. Weniger Personen als geplant bedeutet meist Überlast.


9. Was dieses Vorgehen nicht kann
#

  • Das Vorgehen ist nur so vollständig wie die Liste. Ein Schutzobjekt fehlt in der Liste. Dann fehlt es auch im Ergebnis. Dasselbe gilt für jede Abhängigkeit. Eine fehlende Angabe zählt aber als offen. Eine fehlende Angabe heißt nie „kein Risiko".
  • Das Vorgehen ist nur so richtig wie seine Angaben. Die Rechnung ist eindeutig. Die Angaben sind es nicht immer. Deshalb trägt jede Angabe den Vermerk „gemessen" oder „geschätzt".
  • Das Vorgehen ersetzt die Tragfähigkeitsrechnung nicht. Die Tragfähigkeitsrechnung fragt nach dem Kapital. Wie viel Kapital braucht die Firma für ihre Risiken? Dafür braucht man Beträge und Wahrscheinlichkeiten. Dieses Vorgehen kommt davor. Dieses Vorgehen findet die Risiken. Dieses Vorgehen zeigt, welche Risiken beherrscht sind.
  • Das Vorgehen repariert keinen Meldeweg. In manchen Firmen schadet eine schlechte Nachricht dem Melder. Dort werden Angaben geschönt, bevor irgendein Verfahren sie sieht. Das kann nur die Führung ändern.
  • Das Vorgehen liefert für weiche Größen Fragen, keine Zahlen. Weiche Größen sind zum Beispiel Vertrauen und Ansehen. Weiche Größen bekommen keinen erfundenen Wert. Weiche Größen bekommen ein Kennzeichen.
  • Die Übersicht zeigt keine Ketten. Jede Zelle der Stabilitätsmatrix steht für sich. Ein Beispiel: Ein Lieferant fällt aus. Deshalb fällt eine Lieferung aus. Deshalb fällt eine Zahlung aus. Die Matrix zeigt dafür drei einzelne Zellen. Jede Zelle kann abgedeckt sein. Das Ganze muss trotzdem nicht halten.

10. Abgrenzung zu bestehenden Definitionen
#

DefinitionBezugspunktUnterschied
ISO 31000:2018, 3.1: „effect of uncertainty on objectives"ZieleVerlangt keinen Spielraum, keine Wand und keine Zeit. Ohne Grundmenge lässt sich Vollständigkeit nicht prüfen
DRS 20, Tz. 11: mögliche künftige Entwicklungen oder Ereignisse, die zu einer negativen Abweichung von Prognosen oder Zielen führen könnenPrognoseWandert die Prognose mit, verschwindet das Risiko aus dem Bericht
Sicherheitsnormen: Kombination aus Wahrscheinlichkeit eines Schadens und dessen SchwereSchadenDie Zeit fehlt. Wahrscheinlichkeit ist oft nicht messbar

Wie diese Stellen geprüft sind.

  • ISO 31000 und DRS 20: Der Wortlaut ist über Sekundärquellen gelesen. Das war am 03.10.2026.
  • Sicherheitsnormen: Diese Zeile ist nicht am Normtext geprüft.
  • ASML und Zeiss in Abschnitt 6.5: Der Hinweis ist nicht an einer Primärquelle geprüft.

Zum Hinweis in Abschnitt 6.2, gelesen am 05.10.2026.

  • Zwei Stellen sind im Wortlaut gelesen. Die erste Stelle: § 30 Absatz 2 des BSI-Gesetzes. Die zweite Stelle: Artikel 21 Absatz 2 der Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS-2). Die Quelle waren Gesetzessammlungen im Netz. Die Quelle war nicht das Bundesgesetzblatt oder das Amtsblatt.
  • Nummer 3 nennt: „Aufrechterhaltung des Betriebs, wie Backup-Management und Wiederherstellung nach einem Notfall, und Krisenmanagement".
  • Nummer 6 verlangt Konzepte und Verfahren zur Bewertung der Wirksamkeit.
  • Die Wörter „üben" und „testen" stehen dort nicht. Das gilt für § 30 Absatz 1 und 2. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gibt dazu Hinweise. Sinngemäß steht dort: Wiederherstellungsprozesse sollten vorhanden und erprobt sein.
  • ISO 22301:2019, Abschnitt 8.5: Verlangt ist ein Programm aus Übungen und Tests.
  • ISO/IEC 27001:2022, Anhang A 5.30: Die Informationstechnik ist für die Betriebsfortführung geplant, umgesetzt, gepflegt und getestet.
  • Beide Normstellen sind nur über Sekundärquellen gelesen, nicht am Normtext.
  • Die Maßnahmen des Anhangs A gelten nicht pauschal. Das Unternehmen wählt sie aus und begründet Ausschlüsse.
  • Fällt ein bestimmtes Unternehmen unter die NIS-2-Regeln? Das ist hier nicht geprüft.
  • „Stabilitätsmatrix" in der Regelungstechnik (Abschnitt 7.3): Diese Verwendung ist nur über eine Sekundärquelle gelesen.

Verwandtes. Dieser Vorschlag behauptet keine Neuheit. Die folgenden Stellen sind aus dem Gedächtnis genannt. Die Stellen sind noch nicht geprüft:

  • Schutzbedarfsfeststellung und Risikoanalyse im IT-Grundschutz (BSI-Standards 200-2, 200-3)
  • ISO/IEC 27005:2022, asset-basierter Ansatz
  • ISO 22301: höchste tolerierbare Ausfallzeit und Wiederanlaufzeit; sehr nah an Wand und Rückweg in Abschnitt 6.2
  • Produktionslenkungsplan mit Reaktionsplan (IATF 16949, AIAG-Handbuch); Vorbild für die Form des Regelplans
  • ISO 31010, ISO 21448, BCBS 239
  • Beherrschbarkeit in der ISO 26262, Entdeckung in der FMEA
  • „Speed of onset" in der Praxis des Unternehmensrisikomanagements
  • Time-to-recover gegen Time-to-survive in der Lieferkettenforschung; sehr nah an Abschnitt 6.5
  • IDW PS 340 n.F. zur Risikotragfähigkeit
  • Verfahren und Checklisten der Luftfahrt, auf die der Pilotenvergleich anspielt
  • Risiko-Kontroll-Matrix im internen Kontrollsystem und Auswirkungsanalyse im Kontinuitätsmanagement (Business-Impact-Analyse); verwandte Formen der Stabilitätsmatrix in Abschnitt 7.2