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Status Schulen: Eine Forderung, die man nicht abwimmeln kann

·8 min
Thomas Arends
Autor
Thomas Arends
Management Consulting, Interim-, Projekt-, Qualitätsmanagement

Für den 31. Oktober gestern, hatten Initiativen in gut 20 deutschen Städten zu Protesten aufgerufen. Die Liste der Themen war lang: marode Schulen, Preise, Wehrpflicht, Sozialkürzungen und mehr. Die Bundesschülerkonferenz unterstützte die Anliegen zunächst. Kurz vor dem Termin zog sie ihre Unterstützung für die Demonstrationen zurück. Für friedlichen Protest für bessere Bildung erklärte sie sich weiter solidarisch.

Eine lange Liste mit Aweichungen ist keine Forderung. Sie lässt sich mit einer Pressemitteilung und Sprechblasen beantworten. Und genau das passiert typischerweise.

Dieser Text nimmt den einen Punkt, bei dem sich erstaunlich viele einig sind: die Schulen. Selbst ein Landesbildungsminister sagte vor den Protesten, bei den Bildungsforderungen könne man im Großen und Ganzen mitgehen. Ich mache daraus etwas, das man prüfen kann. Und das man nicht abwimmeln kann.

Ich prüfe mit meinem Lebensfähigkeitsmodell. Jede Zahl trägt eine Evidenzstufe (Legende am Ende).

Was dokumentiert ist
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Die Gebäude Sanierungsstau
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Die Kommunen schätzen ihren Investitionsrückstand bei Schulen auf 68,9 Mrd. Euro. Das sind knapp 30 Prozent des gesamten Rückstands von 231,2 Mrd. Euro. Der Gesamtrückstand wuchs gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent. (KfW-Kommunalpanel 2026, Befragung der Kämmereien Januar bis März 2026. Stufe D.)

Warum nur Stufe D? Es ist eine Selbstauskunft. Kämmereien haben ein Interesse an Fördergeld. Der Betrag ist also nicht belegt. Die Richtung schon: Die Befragung läuft seit 2009 nach gleicher Methode.

Gleichzeitig investierten die Kommunen 2025 insgesamt 29,3 Mrd. Euro. Preisbereinigt waren das 6 Prozent weniger als im Vorjahr. (Gleiche Quelle, Hochrechnung. Stufe D.)

Im Modell heißt das: Ein Schulgebäude ist ein Bestand. Unterlassene Instandhaltung ist eine Entnahme aus diesem Bestand. Wächst der Rückstand, wird mehr entnommen als ersetzt. Das ist Substanzverzehr. Er fällt lange nicht auf, weil das Gebäude ja noch steht.

Der Weg des Geldes
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Geld allein beseitigt keinen Rückstand. Es muss an der deklarierten Schwachstelle ankommen. Dafür gibt es einen öffentlich belegten Vorläufer: den DigitalPakt Schule. Das Geld lief dort denselben Weg: vom Bund über das Land zum Schulträger.

Stand 31. Dezember 2023, rund viereinhalb Jahre nach dem Start:

Programmteilbewilligtausgezahlt
Sofortausstattung (Geräte)–99 %
Leihgeräte für Lehrkräfte–96 %
Basis-DigitalPakt (Infrastruktur)95 %38 %
Administration (IT-Betreuung)59 %32 %

(Antwort der Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 20/13218 vom 27.09.2024. Stufe A. Für die Geräteprogramme weist die Bundesregierung keine Bewilligungen aus.)

Eine Einschränkung nennt die Bundesregierung selbst: Ausgezahlt wird erst nachträglich. Die Bewilligung zeige den Fortschritt besser.

Trotzdem fällt etwas auf. Geld für Dinge, die man kaufen und ausliefern kann, kam fast vollständig an. Geld, das Planung, Einbau und Personal braucht, kam zu gut einem Drittel an. Bewilligt war es fast vollständig. Am Antrag lag es also nicht.

Die KfW nennt als Bremsen Personalmangel in den Verwaltungen, lange Genehmigungs- und Vergabeverfahren und *komplizierte Förderstrukturen. (KfW-Kommunalpanel 2026, Einschätzung. Stufe D.) (Soviel zum Büokratieabau)

Jetzt kommt neues Geld. Die KfW schätzt grob, dass aus dem Sondervermögen Infrastruktur rund 60 Mrd. Euro über zwölf Jahre bei den Kommunen ankommen. (Stufe D, grobe Schätzung.) Es fließt wieder durch dieselbe Leitung. Ist die Leitung der Engpass, hilft mehr Wasser nicht.*

Die Lehrkräfte
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Die Kultusministerkonferenz rechnet für 2025 bis 2035 mit einem Einstellungsbedarf von 356.000 Lehrkräften. Dem stehen 329.000 Absolventen gegenüber. Die Lücke: 27.000. (KMK, Dokumentation 247, Dezember 2025. Stufe A, amtliche Modellrechnung, also eine Prognose.)

Diese Summe ist eine Mittelwert-Lüge. Die KMK sagt das selbst: Ein Überschuss in einem Lehramt gleicht eine Lücke im anderen nicht aus. Getrennt sieht es so aus:

LehramtBedarfAbsolventenSaldo
Sekundarstufe I75.20044.600−30.600
Berufliche Schulen50.50026.500−24.000
Gymnasium / Sek II allgemein110.200116.200+6.000
Grundschule70.30089.800+19.500

(Gleiche Quelle. Stufe A.)

In der Sekundarstufe I fehlen in jedem einzelnen Jahr Bewerber. Bei den beruflichen Schulen wird der Bedarf in keinem Jahr gedeckt.

Dazu kommt die Reaktionszeit. Vom Abitur bis zum Berufseintritt vergehen laut KMK mindestens sechs Jahre. Wer heute ein Lehramtsstudium beginnt, steht frühestens 2032 vor einer Klasse.

Zum Interesse des Absenders: Die Länder rechnen hier ihre eigene Lücke. Gutachten im Auftrag von Lehrerverbänden kamen in früheren Jahren auf deutlich höhere Zahlen. Auch die Verbände haben ein Interesse. Wer näher an der Wahrheit liegt, ist offen.

Eine Lücke ist damit aber sicher: Alle Modellrechnungen der Länder gehen davon aus, dass fast alle Aufgaben von voll ausgebildeten Lehrkräften erbracht werden. (KMK, gleiche Quelle.) Fehlen die, wird der Unterricht trotzdem gehalten. Irgendwie. Wo die Lücke tatsächlich landet, steht in diesem Bericht nicht.

Im Modell: Hier wird ein Bestand aufgebraucht, der nicht gemessen wird. Unterrichtsqualität und Belastbarkeit der Lehrkräfte tauchen in keiner der Zahlen auf.

Was nicht belegt ist
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Warum das Geld nicht ankommt, kann ich von außen nicht feststellen. Wo die Lehrkräftelücke landet, auch nicht. Die Daten liegen bei den Ländern und Schulträgern.

Deshalb nenne ich hier keine Maßnahmen. Wer jetzt Maßnahmen fordert, rät. Stattdessen zwei Prüfvorschläge. Beide lassen sich mit Daten beantworten, die der Adressat bereits hat.

Prüfvorschlag 1: Der Weg des Geldes
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BausteinInhalt
Belegte AbweichungDigitalPakt: 95 % bewilligt, 38 % ausgezahlt nach rund viereinhalb Jahren. Geräteprogramme: 96 bis 99 %. Rückstand bei Schulgebäuden wächst.
Mögliche Ursachen (geschätzt)U1 Umsetzung dauert (Planer, Baufirmen, Lieferzeiten). U2 Maßnahme ist fertig, die Abrechnung hängt (Verwendungsnachweis, Prüfung). U3 Dem Schulträger fehlt Personal zum Planen und Ausschreiben.
PrüfschrittFür jede bewilligte Maßnahme drei Datumsangaben: Bewilligung, Fertigstellung, Auszahlung. Dazu je Schulträger: Planstellen und besetzte Stellen im Hochbau und in der Schul-IT.
TrennschärfeFertig, aber nicht ausgezahlt → U2. Nicht fertig, und Träger mit voll besetztem Bauamt sind genauso langsam → U1. Nicht fertig, und die Dauer steigt mit unbesetzten Stellen → U3.
AdressatDie Bewilligungsstelle des Landes (Kultus- oder Finanzministerium) und die Schulträger (Landkreise, Städte). Beide haben die Daten.
Messgröße für den AdressatenTage von Bewilligung bis Fertigstellung und Tage von Fertigstellung bis Auszahlung, je Maßnahme. Das Land kann das gegen seine eigenen Vorjahre vergleichen.
FristSechs Monate. Spätestens vor der ersten großen Bewilligungsrunde aus dem Sondervermögen.
AbbruchkriteriumKann ein Land diese drei Daten je Maßnahme nicht liefern, ist das der Befund: Es kann den Weg seines Geldes nicht messen. Dann ist jede Debatte über die Höhe der Mittel verfrüht.

Prüfvorschlag 2: Wo die Lehrerlücke landet
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BausteinInhalt
Belegte AbweichungSekundarstufe I und berufliche Schulen: Der Bedarf übersteigt das Angebot in jedem Jahr bis 2035. Die Ausbildung braucht mindestens sechs Jahre.
Mögliche Lösungen (geschätzt)L1 Seiten- und Quereinsteiger übernehmen. L2 Vorhandene Lehrkräfte leisten Mehrarbeit. L3 Unterricht fällt aus, oder Stundentafel und Klassengröße werden angepasst. L4 Lehrkräfte anderer Lehrämter springen ein.
PrüfschrittJe Land, Schulart und Schuljahr: erteilte Stunden nach Qualifikation der Lehrkraft, Mehrarbeitsstunden, ausgefallene Stunden gegenüber der Stundentafel.
TrennschärfeJede mögliche Lösung zeigt sich in einer anderen Spalte. L1 im Qualifikationsanteil. L2 in den Mehrarbeitsstunden. L3 im Ausfall gegenüber der Stundentafel. L4 im Einsatz nach Lehramt. Wächst keine Spalte, obwohl die Lücke real ist, sind die Zahlen unvollständig.
AdressatDas Kultusministerium des Landes. Es führt die Statistik zur Unterrichtsversorgung.
Messgröße für den AdressatenAnteil der planmäßig erteilten Stunden, die von voll ausgebildeten Lehrkräften gehalten werden, je Schulart.
FristBis zur Planung des Schuljahres 2027/28, also im Frühjahr 2027.
AbbruchkriteriumKann das Land Mehrarbeit und Ausfall je Schulart nicht beziffern, wird der Bestand „Unterricht" nicht gemessen. Eine Lücke ohne Ort ist kein Plan.

Erst wenn diese Befunde vorliegen, lohnt die Debatte über Maßnahmen. Dann aber gezielt: je Ursache eine.

Was Nichthandeln kostet
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Bei den Lehrkräften ist der Preis eine Dauer. Die Ausbildung dauert mindestens sechs Jahre (12 Semester). Die Schülerinnen und Schüler, die heute protestieren, sind definitiv vorher fertig mit der Schule. Für sie zählt nur, was jetzt mit den vorhandenen Lehrkräften passiert. Genau das misst heute niemand öffentlich. Und Lösungen dazu ….. Mangelware.

Bei den Gebäuden ist der Preis der Bestand selbst. Der Rückstand wächst, während die Investitionen real sinken. Jedes Jahr ohne Messung des Geldwegs ist ein Jahr, in dem neues Geld in dieselbe Leitung fließt. Ohne zu wissen, wo sie verstopft ist.

Für alle, die demonstrieren
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Sie wollen etwas erreichen. Dann fünf Fragen an jede Forderung. Es sind die fünf Pflichten des Modells.

FrageSchwachStark
Wer genau soll handeln?„Die Politik"Der Landkreis als Schulträger
Woran sieht man, dass es erfüllt ist?„Bessere Schulen"Je Schule offengelegt: bewilligt, gebaut, bezahlt
Wer misst das, und kann man der Zahl trauen?PressemitteilungDaten je Maßnahme, öffentlich
Wo ist es am schlimmsten?LandesdurchschnittIhre Schule, Ihre Schulart, Ihr Fach
Bis wann?„Endlich"Ein Datum

Aus „Mehr Geld für Schulen" wird dann: „Der Landkreis legt bis zum 31. März für jede Schule offen, was bewilligt, was gebaut und was bezahlt ist."

Das ist keine Maximalforderung. Sie kostet fast nichts. Aber ein Landrat kann sie nicht mit einer Pressemitteilung erfüllen. Und die Antwort zeigt, wo es wirklich klemmt.

Was dieses Modell nicht entscheidet
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Die Wehrpflicht ist eine Wertentscheidung. Das Modell ist ethisch neutral. Es kann prüfen, ob ein Gesetz sein Ziel, seine Messgröße und sein Abbruchkriterium nennt. Ob das Ziel richtig ist, entscheidet es nicht.


Quellen
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Evidenzstufen: A amtliche Statistik oder Register · B unabhängige Forschung mit Methodik · C Verbands-Messreihe mit offener Methodik · D Umfrage oder Selbstauskunft · E Aussage im eigenen Interesse.