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2026

Drei Fragen zum Meeting, das Sie nervt

·5 min
Es gibt in Ihrem Kalender einen Termin, bei dem Sie beim Blick auf die Woche innerlich seufzen. Er wiederholt sich, er ist gut besetzt, er hat ein Protokoll, und niemand könnte auf Anhieb sagen, was sich seit dem letzten Mal verändert hat. Vielleicht heißt er Abstimmung. Vielleicht Koordination. Vielleicht Jour fixe Schnittstelle, vielleicht Eskalationsrunde. Um diesen einen Termin geht es hier. Dies ist kein Text gegen Meetings! Es ist ein Text darüber, was ein bestimmter Typ von Meeting über die Konstruktion Ihres Unternehmens verrät. Denn dieser Termin ist kein Zeichen dafür, dass zu wenig geredet wird. Er ist ein Messinstrument, das seit Monaten läuft, ausgewertet wird aber von niemandem.

Die Reißleine, die es im Büro nicht gibt

·8 min
In einem Toyota-Werk hängt über jeder Station eine Leine. Wer an seinem Platz eine Abweichung bemerkt, zieht sie. Dann leuchtet eine Tafel, ein Signal ertönt, und innerhalb eines definierten Zeitfensters steht ein namentlich benannter Verantwortlicher am Band. Wird die Abweichung in dieser Zeit nicht behoben, hält die Linie an. Das ist Andon, und es ist bemerkenswert unspektakulär. Bemerkenswert ist etwas anderes: dass ein Unternehmen ein Verfahren betreibt, bei dem der Mensch mit dem niedrigsten Rang die teuerste Ressource des Werks stoppen darf. Und dass es funktioniert.

58,7 Prozent pünktlich — und der ausgefallene Zug zählt nicht: Welche Messsignale wirklich interessant sind

·8 min
Im ersten Halbjahr 2026 waren 58,7 Prozent der Fernzüge der Deutschen Bahn pünktlich. Jeder zwölfte! Fernzug fiel ganz oder teilweise aus. Diese ausgefallenen Züge tauchen in der Pünktlichkeitsstatistik gar nicht erst auf. Ein Zug, der nie fährt, kann schließlich nicht zu spät kommen. Pünktlich heißt außerdem: weniger als sechs Minuten Verspätung, gemessen pro Halt. Das ist jetzt nicht gegen die Bahn. Das ist ein Lehrstück in ungenügenden Messsystemdesign — und zwar das beste, welches der deutsche Alltag hergibt, weil jeder de mit der Bahn fährt, die Diskrepanz zwischen Statistik und Erlebnis am Bahnsteig kennt. Die Frage dahinter betrifft jedes Unternehmen:

Process Mining misst Ihre Buchhaltung. Ihre Prozesse hat es nie gesehen.

·5 min
Stellen Sie sich vor, jemand will die Qualität Ihrer Ehe beurteilen. Er hat keine Zeit für Gespräche, keine Lust auf Beobachtung, und Zuhören ist ihm zu anstrengend. Also misst er den hormonellen Austausch. Oxytocin, Dopamin, ein bisschen Cortisol als Kontrollgröße. Wissenschaftlich, quantifizierbar, dashboardfähig. Das Ergebnis wäre eindeutig: Nach spätestens zwei Jahren ist der Lack ab. Die Kurve fällt. Empfehlung des Beraters: Partner wechseln, die Werte des Ausgangszustands sind sonst nicht wiederherstellbar.

Was hat es gebracht? Eine Kosten-Nutzen-Bilanz der Klimaschutzmaßnahmen

·10 min
Was hat es gebracht? Eine Kosten-Nutzen-Bilanz der Klimaschutzmaßnahmen # Stand: August 2026 Vorab: Warum diese Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind # Bevor eine einzige Zahl kommt, gehören vier Warnhinweise auf den Tisch. Wer sie überliest, blamiert sich in der ersten Diskussion. „Vermeidungskosten" sind keine Naturkonstante. Dieselbe Maßnahme bekommt je nach Studie Werte, die um den Faktor 10 == 1000%! auseinanderliegen. Der Grund sind Annahmen: Wird die Anlage über 20 oder 30 Jahre gerechnet? Mit welchem Zinssatz? Werden Nebennutzen (saubere Luft, weniger Lärm, Energiesicherheit) mitgezählt? Wird die Zeit der Bürger bewertet — und mit wie viel pro Stunde?

Der erlaubte Raum an der Firewall

·5 min
Der erlaubte Raum an der Firewall — wie wir das Lebensfähigkeitsmodell auf unsere eigene OPNsense angewandt haben # Ich behaupte, dass eine Methode, welche für Maschinen und Organisationen gilt, auch für einen Paketfilter gelten muss — sonst ist sie keine Methode, sondern eine Meinung. Diesen Sommer haben wir in OTSM das an unserer eigenen Edge-Firewall ausprobiert. Hier ist, was dabei herauskam, inklusive der Stelle, an der wir uns geirrt hatten.

Deutschland Gap: Was in zwanzig Jahren wirklich gestiegen ist

·7 min
Geht es uns besser als vor zwanzig Jahren? Die Frage wird meist mit Anekdoten beantwortet. Sie lässt sich aber mit vier amtlichen Zeitreihen beantworten — wenn man sie auf denselben Startpunkt normiert und ehrlich sagt, was gemessen ist und was nicht. 1. Vier Kurven, ein Startpunkt # Alle Reihen auf 2005 = 100 indexiert. So sieht man nicht Absolutwerte, sondern relatives Wachstum — und den Gap dazwischen.

Der Wahn der Methoden: Gesundheit ist nicht ansteckend

·8 min
Gesundheit ist nicht ansteckend. Krankheit schon. Das ist keine Zynik, das ist Beobachtung: Der gemeinsame Nenner einer Gruppe ist nie die geteilte Vernunft — Vernunft ist individuell mühsam erarbeitet und deckt sich immer nur in Teilprinzipien. Der gemeinsame Nenner ist das geteilte Muster, auf das sich die Gruppe eingeschwungen hat. Man merkt das schnell, wenn man den Ort wechselt: Was in Hamburg als selbstverständlich gilt, wird in Bremen belächelt und ist in Sachsen schlicht falsch. Über eine Landesgrenze hinweg wird es noch deutlicher. Jede Gruppe kalibriert ihre eigene Normalität — und hält sie für die Realität.

Acht Regeln, die Agenten den Zugriff nehmen — bevor sie ihn missbrauchen

·7 min
Der vorige Artikel hat die Diagnose gestellt: Agenten scheitern nicht am Würfeln, sondern an drei Deklarationslücken — ein Aktionsraum, den niemand angegeben und vermessen hat (die Restmenge der unsicheren Steuerhandlungen, Unsafe Control Actions, UCA, ist offen), ein Lesekanal, der heimlich steuert (Prompt Injection als nicht deklarierter Kopplungskanal), und eine Erfolgsmeldung, die sich selbst ausstellt (selbstreferenzielle Bewertung). Die naheliegende Rückfrage kam prompt: Schön analysiert — und was baue ich jetzt konkret?

Warum KI-Agenten scheitern — und warum das kein Zufall ist

·8 min
Wer heute mit KI-Agenten arbeiten möchte, liest dieselben Vorfallsberichte wie alle anderen: Der Agent hat eine Datenbank gelöscht, die er nur lesen sollte. Eine E-Mail an den falschen Verteiler geschickt. Eine Anweisung befolgt, die in einem Dokument stand, das er eigentlich nur zusammenfassen sollte. Und er hat hinterher berichtet, alles tutto perfetto. Die übliche Erklärung: Agenten sind nichtdeterministisch, da passiert so etwas. Diese Erklärung ist bequem und falsch. Nichtdeterminismus ist das Vehikel, nicht die Ursache. Die Ursache ist eine Deklarationslücke — und sie lässt sich präzise benennen, wenn man Automatisierung und Agent mit demselben Maßstab vermisst.