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2026

Requirements Engineering am Beispiel Schaltschrank

·18 min
„Der Schaltschrank muss IP 54 sein.“ So oder so ähnlich steht es in den Liefervorschriften, die ich gelesen habe. Die Aussage ist nicht falsch. Sie sagt aber nicht, was der Schrank tun soll. Sie nennt einen Kennwert und überlässt dem Leser, wofür. Gutes Requirements Engineering ermöglicht Wiederverwendbarkeit von Anforderungen und öffnet die Tür für neue Lösungen. Eine Funktion ist lösungsfrei: Sie gilt weiter, wenn das Bauteil wechselt. Anforderungen sollten als Funktion geschrieben sein: Wer leistet was, von wo nach wo, und woran wird es gemessen. Der Einwand dagegen lautet: zu schwierig. Er ist berechtigt, denn mir fällt der Schritt vom Merkmal zur Funktion selbst nicht immer leicht.

Drei Risikoberichte, vier Auffälligkeiten, ein Vorschlag

·14 min
Wenn ein Autokonzern Stellen abbaut, steht die Erklärung meist schon in der Mitteilung: China, Zölle, schwache Nachfrage, teure Energie. Das sind alles äußere Faktoren: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Technik. Der Fachterminus für eine solche Aufzählung ist PEST-Analyse. Inhaltlich die aufgrführten Punkte korrekt. Das hilft aber niemandem weiter, denn an keinem dieser Punkte kann irgendjemand was drehen. Die Frage ist: Wo hätte jemand handeln können? Deshalb habe ich an einer anderen Stelle nachgesehen: im Risikomanagement. Das ist der Teil eines Unternehmens, der früh sehen soll, was auf die Firma zukommt. Gelesen habe ich, was die drei großen deutschen Hersteller dazu selbst veröffentlichen:

Reality correction: Man fliegt dorthin, wo man hinschaut

·6 min
Jeder Fahrlehrer für Motorräder sagt denselben Satz: Schau nicht auf das Hindernis. Schau dorthin, wo du hinwillst. Wer auf den Baum starrt, fährt in den Baum. Piloten lernen das Gleiche. Das Phänomen heißt Zielfixierung, und es funktioniert zuverlässig: Die Maschine folgt dem Blick. Auf Social Media starren wir seit Jahren auf den Baum. Ihr habt recht. Es hilft nur nichts. # Damit kein Missverständnis entsteht: Ich bin mit der Regierungsarbeit in diesem Land maximal unzufrieden. Ich habe über den Bundeshaushalt geschrieben > 400 MRD € (Hauptsache Geld ausgeben?) und den Haushaltsausschuss gefragt, wer prüft, ob das Geld wirkt. Die Antwort: Zuständig sind die Ministerien selbst, nach § 7 der Bundeshaushaltsordnung. Eine flächendeckende Prüfung durch den Ausschuss gibt es nicht.

Erst mal bauen, dann nachweisen?

·5 min
Ein Kollege erzählte mir diese Woche von einem Angebot aus den USA. Eine KI liest die vorhandenen Anforderungen eines Produkts, ordnet sie den geltenden Normen zu und erzeugt daraus die Unterlagen für den Auditor. Angeblich abgeschottet in der Cloud und ohne dass ein Mensch die Zuordnung prüft. Ich habe das Angebot nicht selbst gesehen. Deshalb nenne ich keinen Namen und bewerte keinen Anbieter. Ich schreibe über das Muster dahinter, denn das kenne ich seit über zwanzig Jahren: Erst wird entwickelt. Danach wird belegt, dass alles richtig war. Nachweis, wenn das Gerät auf dem Hof steht. Kann man so machen ……

Automatisierung: Es wird heftig schütteln

·4 min
Bosch nennt schwache Nachfrage und Kosten als Grund für eine 40 Stunden-Woche. Mercedes hat zusätzlich einen anderen Hebel gezogen: Der Konzern hat sich 2025 vertraglich verpflichtet, bis 2034 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Der klassische Stellenabbau ist damit blockiert. Mehr Stunden ohne Lohnausgleich wirkt wie ein Umweg dorthin: Bei einer Erhöhung von 35 auf 40 Stunden bei gleichem Monatsentgelt sinkt die Vergütung je Arbeitsstunde rechnerisch um 12,5 Prozent, Das ist ein Kostenschnitt in der Wirkung, ohne dass eine Stelle formal abgebaut wird. Wenn die Kapazität nicht ausgelastet ist, schafft mehr Arbeitszeit keinen zusätzlichen Bedarf. Das ist Stellenabbau, nur nicht so genannt.

Warum Ihr Plan subobtimal ist

·7 min
Nehmen Sie Ihren aktuellen Projektplan. Streichen Sie jede Zeile, die mit „Entwicklung", „Einführung", „Erstellung" oder „Optimierung" beginnt. Was bleibt dann übrig? Bei den meisten Plänen, die ich in über dreißig Jahren Projektarbeit gesehen habe, bleiben Termine. Und ein paar Namen. Das ist kein Plan. Was da steht, ist kein Plan # „Entwicklung einer Positionsregelung" klingt nach Arbeit. Es klingt sogar nach Fortschritt. Aber prüfen Sie den Satz einmal mit drei einfachen Fragen:

Der Ausschuss hat geantwortet. Er hat recht — und das ist das Problem.

·4 min
Vor drei Wochen habe ich vorgerechnet: 500 Milliarden Euro Bundeshaushalt, rund 4.000 Ausgabetitel, und § 7 der Bundeshaushaltsordnung schreibt für jeden davon eine Erfolgskontrolle vor. Ob sie stattfindet, war aus den Haushaltsunterlagen selbst nicht ersichtlich. Ich habe den Haushaltsausschusses gefragt. Die Antwort ist da. Sie ist höflich, sie ist verfahrensmäßig sauber, und sie widerlegt nichts von dem, was ich geschrieben hatte. Im Gegenteil: Sie bestätigt meine Befürchtung, nur in einer Sprache, die dafür gemacht ist, dass man es beim ersten Lesen überliest.

Politik: Acht Ziele, geprüft: Energieversorgung

·4 min
Acht politische Ziele, eine Methode. In dieser Reihe prüfe ich jedes gegen dieselben fünf Pflichten, mit denen ich sonst Bauteile, Firmen und Projekte auf Lebensfähigkeit prüfe: Zweck, Idealzustand, Messmittelfähigkeit, Schwachpunkt, Reaktionszeit. Teil 1: Energieversorgung. Oben: Tagesschau/rbb, Quelle Bundeswirtschaftsministerium/ADAC. Unten: dieselben Zahlen, neu gruppiert. (Quelle des Bildes Telegram Chat) Zwei Grafiken, dieselben vier Zahlen: 111 Cent „Kosten und Gewinn", 15,6 Cent CO₂-Preis, 65,5 Cent Energiesteuer, 36,5 Cent Mehrwertsteuer — bei einem Liter Super E10 für 2,29 €. Die Tagesschau zeigt „Kosten und Gewinn" als einen Balken neben drei einzelnen Steuerbalken. Addiert man die drei, kommt man auf 118 Cent — 51,5 Prozent des Preises, mehr als die Hälfte.

Vollgas hilft nicht. Die Bremse lösen schon: Die Todeszone der Projektplanung

·4 min
Wer beim Auto einmal nachrechnet, merkt schnell: Ab etwa 100 km/h bringt höhre Geschwindigkeit kaum noch Zeitgewinn – aber er kostet. In Projekten macht man denselben Fehler in die andere Richtung. Man tritt aufs Gas, obwohl der Wagen längst am Limit ist, und nennt es Zeitdruck. Die Grafik stammt von Oliver Hummel (Aufwandsschätzungen in der Software- und Systementwicklung) und zeigt etwas, das jeder schon gehört hat, der einmal “das muss aber bis Freitag fertig sein” gesagt bekam: Solange der gewünschte Zeitplan bei mindestens 75 % des realistisch geschätzten liegt, bleibt der Mehraufwand überschaubar. Fällt er darunter, kippt die Kurve – der Aufwand steigt auf das 1,4-Fache und mehr. Hummel nennt diesen Bereich die Todeszone: Mehr Druck erzeugt dort keine höhere Geschwindigkeit, nur höhere Kosten.

Reagieren erst, wenn die Hütte brennt

·5 min
Am 1. September 2024 wurde die AfD in Thüringen mit rund 33 Prozent erstmals seit 1945 stärkste Kraft in einem deutschen Landesparlament. Am 6. September 2026, zwei Jahre später, wiederholte sich das in Sachsen-Anhalt — mit 43,8 Prozent, mehr als doppelt so viel wie die zweitplatzierte CDU mit 17,2 Prozent. Zwei Jahre. Zwei Wahlergebnisse mit derselben Botschaft. Die IMHO irrige Reaktion war beide Male fast identisch: Ursachenanalyse Mangelware. Statt dessen ein “Beißreflex”. Eine Brandmauer, die hält, und Krisensitzungen danach. Das hier ist kein Text über die AfD. Das ist ein Text über das, was zwischen den beiden Terminen nicht passiert ist.