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2026

Lernen muss warten.

·9 min
Stell dir zwei Automechaniker vor. Der erste hat das Handbuch auswendig gelernt. Er kann dir jedes Teil im Motor benennen, jeden Drehmomentwert aufsagen, jede Fehlernummer zuordnen. Fragst du ihn etwas, bekommst du die richtige Antwort — solange die Frage im Handbuch steht. Der zweite kennt das Handbuch auch. Aber er weiß etwas, das nicht drinsteht: Was passiert, wenn ich hier eine Vierteldrehung nachziehe? Warum klappert es hinten links, obwohl das Geräusch von vorne zu kommen scheint? Welche drei Dinge muss ich prüfen, bevor ich das teure Teil tausche?

Engineering ohne Audit-Theater

·5 min
In zwei Sätzen. Klassische FMEA- und Anforderungs-Methodik produziert in komplexen Systemen Dokumentenmengen, die niemand mehr liest — bei einem Defense-Stromerzeuger mit 400 Bauteilen und 13 Sichten sind das 5.200 Analysepunkte. OTSM reduziert das auf rund 450 projektspezifische Einträge, ohne Verlust an Audit-Tauglichkeit, und macht die heute übersehenen Risiken sichtbar. 1. Wo der Schmerz sitzt — was in der Organisation heute schiefläuft # Drei Beobachtungen, die in fast jedem komplexen Engineering-Bereich gelten:

A Fool with a Tool — die Tool Fallacy

·6 min
Ein Vorstand entscheidet sich für ein Engineering-Tool — gegen die ausdrückliche, schriftlich begründete Empfehlung der eigenen Technik. Drei Jahre später: Reaktionszeiten bis zu 50% der Tahgesarbeitszeit. Das Tool ist immer noch im Einsatz. Eskalationen, Entwicklerteams…. Keine Änderung des Tools. Für dieses Muster gibt es noch keinen etablierten Namen. Ich nenne es die Tool Fallacy — in Anlehnung an die Sunk Cost Fallacy, aber sie ist mehr als das. Die These # Jede Tool-Entscheidung ohne explizite Funktionsdefinition und ohne Mess-Merkmale ist eine Wette.

Zertifiziert ist nicht verifiziert

·5 min
Zertifiziert ist nicht verifiziert # Warum die halbe ISMS-Industrie Dokumente prüft und Sicherheit behauptet — und das GRC-Tool nur die schönere Falle ist. Es gibt diesen Moment im Audit-Kickoff, in dem drei Dinge gleichzeitig passieren: Der Geschäftsführer merkt, dass er die Norm nie gelesen hat. Der Berater merkt, dass das ein gutes Jahr wird. Und das Kaninchen schaut die Schlange an.

KI? Ihr digitalisiert das Falsche

·10 min
Ich weiß, wie das klingt. Ich bringe gerade selbst OTSM ins Release, und jetzt schreibe ich einen Artikel darüber, dass eure digitale Transformation ohne saubere Prozesse scheitert. Werbung in eigener Sache, könnte man sagen. Könnte man. Aber die Reihenfolge war umgekehrt: Ich habe nicht zuerst ein Tool gebaut und dann ein Problem dazu gesucht. Ich habe Audits gemacht, ich habe in Prozesse geschaut — und deshalb angefangen zu bauen. Das Problem war zuerst da. Es ist immer noch da. Es wird gerade flächendeckend ignoriert.

Die Schnittstelle — warum Systeme an ihren Übergängen sterben

·9 min
Eine 6er-Schraube in einem 4er-Loch # Stell dir zwei Bauteile vor. Beide sind perfekt. Die Schraube ist exakt gefertigt, gehärtet, dokumentiert. Das Loch ist exakt gebohrt, entgratet, vermessen. Jedes Teil für sich besteht jede Prüfung. Sie passen trotzdem nicht zusammen. Die Schraube ist eine 6er, das Loch ein 4er. Zwei lebensfähige Teile — und ein totes System. Der Fehler steckt nicht in einem der beiden Teile. Er steckt im Übergang. Und der Übergang ist die eine Stelle, die keinem der beiden Teile ganz gehört. Genau deshalb übersieht ihn jeder.

Wenn Sie alles richtig machen und es trotzdem nicht funktioniert

·7 min
Sie reißen sich den A**** auf. Sie entscheiden nach bestem Wissen. Sie holen sich Rat, Sie führen die Methode ein, die alle empfehlen, Sie machen die Workshops, Sie füllen die Vorlagen aus. Und hinten kommt trotzdem nicht das raus, was rauskommen sollte. Das ist der Punkt, an dem die meisten sich fragen, ob sie sich noch mehr anstrengen müssen. Meine Erfahrung: Nein. Wenn Anstrengung das Problem wäre, hätten Sie es längst gelöst — Anstrengung ist das Einzige, woran es in solchen Firmen nie fehlt.

Welcher Stand gilt?

·6 min
Stellen Sie einem beliebigen Entwicklungs-, Qualitäts- oder Projektteam eine einzige Frage: Welcher Stand gilt? Nicht als Vorwurf, sondern als Zeitmessung. Wie lange dauert es, bis jemand mit Sicherheit sagen kann, welcher der vorliegenden Stände der verbindliche ist? Sekunden? Oder eine Rückfrage, eine Mail, ein Termin? Haben die Kollegen ggf. unterschiedliche Versionen (fast immer)? Wer diese Frage nicht in Sekunden beantworten kann, beantwortet sie in Besprechungen und Meetings. Das ist der eigentliche Preis, und er steht in keiner Kostenstelle.

Warum Ihre Entwicklung nicht weiß welcher Stand gilt

·6 min
Fragen Sie Ihren Buchhalter, welcher Stand gilt. Er versteht die Frage nicht. Für ihn ist sie seit dem Handelsgesetzbuch beantwortet: Jeder Wert in der Bilanz führt zurück auf einen Beleg, und jeder Beleg führt vorwärts in die Bilanz. In beide Richtungen, jederzeit, ohne Rückfrage. Stellen Sie dieselbe Frage in der Entwicklung. Sie bekommen einen Termin. Der Fachbegriff ist derselbe # Die GoBD — die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern in elektronischer Form — verlangen ausdrücklich progressive und retrograde Prüfbarkeit. Progressiv heißt: vom Beleg über die Buchung bis zur Bilanzposition. Retrograd heißt: von der Bilanzposition zurück bis zum einzelnen Beleg.

Panik ist kein Plan

·8 min
Deutschland kann Alarm. Alarm ist unsere Kernkompetenz! Warnstufen, Aktionspläne, Sondergipfel und Betroffenheitsreden. Wir haben Menschen, die sich auf Straßen kleben. Wir haben andere, die deshalb aus Prinzip einen Diesel kaufen. Was wir nicht haben: eine sinkende Weltemissionskurve. Alarm hat noch nie eine einzige Tonne CO₂ verhindert. Er ist ein Gefühl. Kein Werkzeug. Werkzeuge betrachten. Kurz, was stimmt # Der Kohlenstoff in der Luft kommt aus fossilen Quellen. Das ist gemessen, nicht gerechnet.