„Kein Batteriehersteller verdient Geld." Das ist eine überprüfbare Aussage. Sie ist falsch.
CATL hat für 2025 rund 72 Mrd. Yuan Nettogewinn ausgewiesen — etwa 10,4 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei rund 17 Prozent Nettomarge. BYD lag bei rund 4,7 Mrd. US-Dollar, trotz eines Rückgangs von 19 Prozent. Der Markt trägt Gewinne. Sogar sehr große.
Was stimmt: Europäische Zellfertigung hat reale Nachteile. Energiekosten, Skalen, Vorprodukte, Regulierung. Wer das kleinredet, ist unehrlich.
Lösung für die Krise der deutschen Automobilindustrie # Gebaut werden Autos. Gebraucht wird Bewegung. # Kodak hatte die Digitalkamera 1975 im Haus. Das ist der Teil der Geschichte, den alle kennen, und es ist der Teil, der nichts erklärt. Kodak ist nicht an fehlender Technologie gescheitert und auch nicht an Managern, die zu dumm waren, eine Kamera zu erkennen, die im eigenen Labor stand. Kodak ist daran gescheitert, dass der Unternehmenszweck als Film verkaufen definiert war und nicht als Bilder ermöglichen. Alles, was danach kam, war logisch. Wer den Zweck auf der Anbieterseite definiert, misst folgerichtig Anbietergrößen, steuert nach Anbietergrößen und erkennt eine Bedrohung erst dann, wenn sie in genau diesen Größen sichtbar wird. Zu diesem Zeitpunkt ist sie nicht mehr korrigierbar.
These, die Sie an Ihren eigenen Zahlen prüfen können: Ein mittelständischer Bereich mit fünf Business-Tools und 17 Mitarbeitenden verliert durch manuelle Datensynchronisation zwischen diesen Tools mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr — ohne dass ein einziges dieser Tools schlecht wäre.
Die Tools sind nicht das Problem # Jira ist ein gutes Ticketsystem. Salesforce ist ein gutes CRM (Customer-Relationship-Management). SAP kann Fakturierung. Notion kann Dokumentation. Jedes dieser Werkzeuge wurde von Fachleuten für seinen Zweck gebaut und erfüllt ihn.
Wenn ein Kunde eine einzige Änderung wünscht – zum Beispiel eine andere Kabel-Beschichtung ohne Schadstoffe – und diese Änderung erst drei Wochen später zufällig auffällt, weil die Spezifikation noch den alten Stand zeigt, dann liegt das Problem nicht am Konstrukteur. Es liegt daran, dass sechs verschiedene Programme sechs verschiedene, unabhängig gepflegte Wahrheiten über dasselbe Bauteil enthalten.
Das ist kein Einzelfall und kein Zeichen von Schlamperei. Das ist die vorhersehbare Folge einer Architekturentscheidung, die vor Jahrzehnten getroffen wurde und die kaum jemand noch als Entscheidung erkennt.
Die meisten Risikoanalysen – egal ob FMEA, STPA oder eine interne Checkliste – beruhen an ihrem kritischsten Punkt auf einer einzigen Methode: einem Raum voller kluger Menschen, die sich fragen „Was könnte alles schiefgehen?" Das Ergebnis ist so vollständig, wie das Team kreativ war. Und Kreativität ist keine Vollständigkeits-Garantie – sie ist eine Hoffnung.
Es gibt einen Weg, aus dieser Hoffnung eine nachrechenbare Aussage zu machen. Er verlangt nicht mehr Workshops. Er verlangt drei Grenzen, die man ohnehin fast immer schon irgendwo aufgeschrieben hat – nur nie zusammen betrachtet.
Eine Firma kann jedes Audit bestehen, jede Norm erfüllen, jedes Zertifikat an der Wand hängen haben – und trotzdem tot sein, ohne es zu wissen. Nicht metaphorisch. Strukturell tot: Der Zweck ist bereits weggebrochen, nur die Prozesse laufen noch weiter.
Kodak ist das bekannteste Beispiel, aber nicht das einzige. Und der Grund, warum es immer wieder passiert, ist banal: Die meisten Firmen messen, ob sie funktionieren – nicht, ob sie lebensfähig sind. Das sind zwei verschiedene Dinge, und der Unterschied lässt sich exakt beschreiben.
Ein Problem tritt auf. Kosten explodieren, ein Werk schreibt rot, ein System kippt. Was passiert als Nächstes?
In einer funktionierenden Organisation: Jemand fragt warum. Nicht rhetorisch. Systematisch. Mit Daten, mit einem beschriebenen Sollzustand, mit einem Messmittel, das den Namen verdient. Man folgt der Kette nach unten, bis man an der Wurzel steht. Dann — und erst dann — entscheidet man.
In Deutschland 2026: Jemand verkündet eine Maßnahme.
Der Konzern verkündet 30.000 Stellen. Die Politik verkündet eine Asylwende, eine Steuerreform, ein Sondervermögen. Die Pressekonferenz steht, bevor die erste Frage gestellt wurde. Die Maßnahme ist da — die Diagnose fehlt. Nicht, weil sie zu schwer wäre. Sondern weil sie verunmöglicht wurde. Strukturell, absichtlich, über Jahre.
Es gibt einen Denkfehler, der sich durch die gesamte öffentliche Auseinandersetzung zieht und der so verlässlich funktioniert, dass man ihn fast schon als Naturgesetz behandeln müsste: Wer gegen etwas schießt, verstärkt es. Nicht manchmal. Fast immer.
Any Press is good Press # Das hat nichts mit der Qualität des Arguments zu tun. Man kann recht haben und trotzdem verlieren, weil die Form des Widerstands den Gegner nährt. Wer angreift, macht den Angegriffenen zum Mittelpunkt. Er liefert ihm Reichweite, Empörungsenergie und die bequemste aller Rollen, nämlich die des Verfolgten. Jede Attacke ist eine kostenlose Bühne. In einer Aufmerksamkeitsökonomie ist Widerspruch keine Schwächung, sondern Werbung.
Mitte Juli 2026 haben Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig einen Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalität vorgestellt. Der Kern, in einem Satz: Wer künftig nicht nachweisen kann, dass er sein Auto, seine Uhr, sein Vermögen legal erworben hat, dem wird es sichergestellt. Nicht nach einer Verurteilung. Sobald ermittelt wird. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht das Prinzip bereits wörtlich: „vollständige Beweislastumkehr beim Einziehen von Vermögen unklarer Herkunft".
Man muss diesen Satz neben ein Datum legen, damit er seine ganze Bedeutung entfaltet. Knapp zwei Wochen zuvor, am 2. Juli, hat dieselbe Koalition beschlossen, das Informationsfreiheitsgesetz faktisch abzuschaffen — die Einsicht des Bürgers in die Arbeit seiner Verwaltung. Innerhalb von vierzehn Tagen hat dieselbe Regierung also zwei Beschlüsse gefasst: Der Bürger muss künftig die Herkunft seiner Uhr beweisen. Der Staat muss künftig gar nichts mehr offenlegen. Das ist kein Widerspruch. Das ist ein System.
Es kommt in Wellen. Ein Gremium tagt, eine Kommission liefert, ein „Expertenrat" empfiehlt — und heraus kommt eine Zahl, ein Schwellwert, eine Einstufung, an der sich anschließend Politik ausrichtet. Ich habe an anderer Stelle beschrieben, warum eine Zahl ohne offengelegten Bezug keine Information ist, sondern eine Behauptung mit Ziffern. Hier wird es konkret. Hier steht, was auf den Tisch gehört. Vollständig, ohne Schwärzung, öffentlich einsehbar.
Nicht, weil ich niemandem traue. Sondern weil Vertrauen das falsche Wort ist. Das richtige Wort heißt Nachrechenbarkeit. Und Nachrechenbarkeit hat eine Stückliste.