Barry Boehm und Victor Basili haben es aufgeschrieben, und seitdem hat niemand ernsthaft widersprochen: 40 bis 50 Prozent des Gesamtaufwandes eines Softwareprojekts entstehen durch vermeidbare Nacharbeit. Fehler, die spät gefunden werden, kosten bis zum Hundertfachen dessen, was sie früh gekostet hätten. Die Zahlen sind älter als die meisten Menschen, die heute Projekte leiten.
Als Ursache steht in derselben Quelle: mangelnde Kommunikation.
Und seit vierzig Jahren wird diese Ursache als Werkzeugproblem behandelt. Ein Tool mehr, ein Ritual mehr, ein Kanal mehr. Die Zahl bewegt sich nicht.
Am 1. April 2025 meldete Varta den erfolgreichen Abschluss des StaRUG-Verfahrens. Die Verschuldung war von rund 485 auf 230 Mio. Euro gesenkt, 60 Mio. Euro Kapitalerhöhung und 60 Mio. Euro Neufinanzierung standen bereit, die Finanzierung war nach eigener Aussage bis Ende 2027 gesichert.
Am 24. Juli 2026 stellte Varta beim Amtsgericht Stuttgart vier Insolvenzanträge. Seit dem 28. Juli läuft ein reguläres Insolvenzverfahren unter einem vorläufigen Insolvenzverwalter.
Fünfzehn Monate.
Im vorigen Beitrag ging es um die Frage, ob der Markt schuld ist. Diesmal geht es um die Frage, warum eine formal erfolgreiche Sanierung ein Unternehmen nicht rettet. Meine Antwort: weil die Sanierung dafür nicht gebaut ist — und weil niemand dafür verantwortlich gemacht wird, dass sie es nicht ist.
Der Bund führt keine Bilanz, kennt seine Stückkosten nicht und weist für seine Programme keine Wirkung nach. Das ist kein Versagen, sondern eine Konstruktion mit Nutznießern. Eine Bestandsaufnahme, die Ursachenkette und ein Vorschlag, wie Adressatenmessung im Haushalt aussehen müsste.
Es gibt einen Punkt, an dem Bremsen nicht mehr hilft.
Jeder Autofahrer kennt ihn, auch wenn er nie darüber nachdenkt. Wenn eine Wand vor Ihnen auftaucht, ist der entscheidende Moment nicht der Aufprall. Der entscheidende Moment liegt weit davor: der letzte Zeitpunkt, an dem Bremsen noch reicht. Danach können Sie das Pedal durchtreten, so hart Sie wollen. Es ändert nichts mehr.
Bei Firmen ist es dasselbe. Bei Behörden auch. Nur sieht man die Wand nicht, und niemand sagt Ihnen, wann Sie den Punkt passiert haben.
Was hilft wirklich? # Methoden mit Evidenznachweis — und Methoden, die nur behaupten.
Es gibt eine unangenehme Regelmäßigkeit in der Methodenlandschaft von Engineering, Projektmanagement und Unternehmensführung:
Je größer die Verbreitung einer Managementmethode, desto schwächer ihr Wirksamkeitsnachweis.
Das ist keine Pointe, sondern eine falsifizierbare Behauptung. Sie fällt in dem Moment, in dem jemand eine randomisierte oder sauber quasi-experimentelle Studie mit unabhängiger Replikation vorlegt, die für SAFe, ITIL, Design Thinking, OKR, PMBOK oder das Business Model Canvas einen Ergebniseffekt zeigt. Ich habe keine gefunden. Wer eine hat: schicken, ich korrigiere den Text.
“Überm Neckar ganz tief!”
Ein Segelfliegerkollege, gefragt über Funk “Wo bist Du?” antwortete:
„Überm Neckar ganz tief — lass mich mal in Ruh."
Wer nicht fliegt, hört einen ruppigen Spruch. Wer fliegt, hört eine Zustandsmeldung. Tief über dem Neckartal heißt: wenig Höhe, enges Tal, kaum brauchbare Außenlandefelder, jede Sekunde Aufmerksamkeit gebunden. Der Mann war nicht unhöflich. Er hatte schlicht keine Reserve mehr für irgendetwas, das nicht unmittelbar das Fliegen war.
Die Instrumente sind nicht defekt. Sie sind kalibriert, geprüft und testiert — und messen die falsche Größe. Warum das zwangsläufig in die Wand führt, und warum Heerscharen von Controllern es nicht sehen.
Es wurden alle Vorschriften eingehalten. Es wurde eine vollständige Sicherheitsanalyse gemacht. Die Zulassung wurde erteilt. 346 Menschen sind gestorben. Dieser Text zeigt, warum das kein Widerspruch ist — und welche fünf Fragen ein Vorstand daraus für die eigene Firma mitnimmt.
Was passiert ist Fünf Sätze zum Fall Boeing wollte ein neues Flugzeug bauen, für das Piloten kein neues Training brauchen. Denn Training kostet die Fluggesellschaften Geld — und Boeing hatte einem Großkunden vertraglich zugesagt, eine Million Dollar pro Flugzeug zurückzuzahlen, falls doch Simulatortraining nötig würde.
Das Signal, das niemand hören wollte # Während dieser Tage im Kabinett darüber entschieden wird, ob die feste Einspeisevergütung für neue Solaranlagen ab 2027 ausläuft, wird wieder über die falsche Größe gestritten. Es geht um Kosten, um Übergangsfristen, um einen Cent mehr oder weniger. Es geht nicht um die eine Frage, die seit sechsundzwanzig Jahren offen ist: Was genau hat diese Förderung eigentlich gemessen?
Die Speicherfrage ist falsch gestellt # Warum die Energiewende nicht an Batterien scheitert, sondern an einer fehlenden Unterscheidung # Es gibt in der deutschen Energiedebatte eine bemerkenswert stabile Übereinkunft. Sie lautet, dass wir Speicher brauchen, dass Batterien besser werden müssen, und dass die Sache dann funktioniert. Man findet diese Übereinkunft quer durch alle Lager, was üblicherweise ein Warnsignal ist. Wo niemand widerspricht, hat meistens niemand nachgerechnet.