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Klimaschutzmaßnahmen: Was wirkt wirklich?

·6 min
Thomas Arends
Autor
Thomas Arends
Management Consulting, Interim-, Projekt-, Qualitätsmanagement

Immer wieder triggern mich die “Erfolgsmeldungen” aus verschiedenen Branchen. Methoden welche über Jahre gepusht werden (ohne irgeneinen Nachweis) oder in Deutschland immer wieder gerne genommen “Klimaschutz”.

Warum und wozu
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Deutschland gibt seit über Jahren sehr viel Geld für Klimaschutz aus. Die Emissionen sind seit 1990 um 48 Prozent gesunken. 2025 lagen sie bei rund 649 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent.

Klingt nach Erfolg. Nur: Welche Maßnahme hat das bewirkt?

Das ist die Frage, die kaum jemand stellt. Und sie ist unangenehm, weil die Antwort nicht zu den Wahlkampfbroschüren passt — bei keiner Partei.

Ich habe mir angesehen, was belegt ist.

Drei Denkfehler, die man vorher kennen muss
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1. Deutsche Bilanz ist nicht gleich Weltklima.

Wenn eine Fabrik in Deutschland dichtmacht und die Produktion nach Asien geht, sinken die deutschen Emissionen. Weltweit steigen sie eher. In unserer Statistik sieht das aus wie Klimaschutz. Es ist keiner! Ich würde das als wirtschaftspolitischen Irrsinn beschreiben.

Aber genau das ist 2023 in großem Umfang passiert. Die Emissionen fielen um zehn Prozent — zu einem erheblichen Teil, weil energieintensive Industrie weniger produziert hat. Der Expertenrat für Klimafragen hat darauf ausdrücklich hingewiesen. Hat Ihn jemand gehört?

2. Der Wasserbett-Effekt.

Für Kraftwerke und Großindustrie gilt der europäische Emissionshandel. Der funktioniert wie ein Deckel: Es gibt eine feste Menge an Verschmutzungsrechten. Spart Deutschland etwas ein, werden Zertifikate frei. Die kauft dann jemand anderes in Europa — und emittiert dafür.

Wie ein Wasserbett: Man drückt an einer Stelle rein, an einer anderen beult es aus. Die Gesamtmenge bleibt gleich. Unsere Industrie ist “belastet” - die Abwanderung st real.

Seit 2019 gibt es dagegen ein Ventil. Die sogenannte Marktstabilitätsreserve löscht überschüssige Zertifikate automatisch. Aber nur teilweise und mit Verzögerung. Alles, was Deutschland vor 2019 im Stromsektor eingespart hat, ist klimatisch weitgehend verpufft.

3. Gerechnet ist nicht gemessen.

Die meisten Wirkungszahlen in deutschen Berichten sind Modellergebnisse(sic!). Man vergleicht die Wirklichkeit mit einer erfundenen Welt ohne die Maßnahme. Das ist legitim, aber es ist kein Nachweis. Echte Nachweise — wo man den Effekt statistisch sauber isolieren kann — sind selten.

Die Übersicht
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Vier-Felder-Matrix: deutsche Klimaschutzmaßnahmen nach Kosten je vermiedener Tonne CO₂ und Belegbarkeit der Wirkung

MaßnahmeWas sie kostetWas sie bringtBeweislage
Deponieverbot für unbehandelten Müll (seit 2005)Einmalige Investition in Müllbehandlung. Pro Tonne CO₂ sehr wenig.Abfallwirtschaft: minus 88 Prozent seit 1990. Nur noch 0,8 Prozent der Gesamtemissionen.Sehr gut
Lachgas-Filter in ChemieanlagenKatalysatoren in wenigen Dutzend Anlagen. Sehr geringe Kosten je Tonne.Großer Effekt bei minimalem Aufwand.Sehr gut
Europäischer Emissionshandel (ETS 1)Der Zertifikatspreis. Anfang 2026 rund 65 bis 75 Euro je Tonne.Feste Obergrenze. Kohle wird gegenüber Gas unwirtschaftlich.Gut
Erneuerbaren-Ausbau (EEG)Dreistelliger Milliardenbetrag seit 2000. Frühe Solarförderung: über 500 Euro je Tonne. Heutige Anlagen: sehr günstig.Strom-Emissionen etwa halbiert. Erneuerbare liefern gut die Hälfte des Stroms.Menge gut belegt, Zurechnung schwierig (Wasserbett bis 2019)
Effizienzvorschriften (EU-Ökodesign, Neubaustandard)Trägt der Käufer bzw. Bauherr. Moderat.Messbar weniger Verbrauch je Gerät und je Neubau.Gut
Nationaler CO₂-Preis (BEHG)2026 bei 65 Euro je Tonne. Zahlen die Verbraucher.Rechnerisch rund 7 Millionen Tonnen in Verkehr und Gebäuden bis 2030.Nur Modell, kein Messwert
Gebäudeförderung (BEG)Mehrere Milliarden Euro pro Jahr.Offiziell 6,4 Millionen Tonnen jährlich für den Förderjahrgang 2022.Schwach (siehe unten)
Kaufprämie für E-AutosMehrere Milliarden Euro. Sehr hohe Kosten je Tonne.Vor allem vorgezogene Käufe, kaum zusätzliche. Finanzierung von Industrie im Ausland.Schwach
DeutschlandticketMilliarden-Zuschuss pro Jahr.Umstieg messbar, CO₂-Effekt klein und umstritten.Schwach
KohleausstiegsgesetzEntschädigungen an die Betreiber.Wenig zusätzlich — der Markt hätte die Kohle ohnehin verdrängt.Mittel
AtomausstiegHoch.Negativ. Ersatz kam überwiegend aus Kohle.Richtung gut belegt, Höhe umstritten

Was daraus folgt
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Die Gewinner sind langweilig.

Die wirksamsten deutschen Klimaschutzmaßnahmen sind keine Förderprogramme. Es sind Verbote und technische Vorschriften.

Das Deponieverbot ist der größte unbesungene Erfolg der deutschen Umweltpolitik. Seit 2005 darf unbehandelter Hausmüll nicht mehr auf die Deponie. Deponien setzen Methan frei, und Methan wirkt kurzfristig deutlich stärker als CO₂. Das Ergebnis: minus 88 Prozent in diesem Sektor. Kein Förderantrag, kein Beratungsgespräch, keine Kampagne. Ein Verbot mit Übergangsfrist.

Ähnlich bei Lachgas aus der Salpetersäureproduktion. Ein paar Katalysatoren in wenigen Anlagen, lächerlich geringe Kosten je vermiedener Tonne, sofortige Wirkung.

Gemeinsames Muster: Wenige Beteiligte, klare technische Lösung, eindeutiger Vergleichsmaßstab. Man kann nachrechnen, was passiert wäre.

Bei der Gebäudeförderung glaube ich den offiziellen Zahlen nicht.

Die Evaluation sagt: Mitnahmeeffekte gibt es zwar, aber sie werden weitgehend ausgeglichen. Die Bruttowirkung sinke nur um null bis zwanzig Prozent.

Diese Zahl stammt aus Befragungen der Geförderten. Im Auftrag des Ministeriums, das fördert. Man fragt Leute, die gerade Geld bekommen haben, ob sie es auch ohne das Geld gemacht hätten. Eine typische Pseudo-Vitalgröße.

Und es passt nicht zusammen: Die Sanierungsquote im Gebäudebestand liegt seit Jahren bei etwa 0,7 bis 1 Prozent. Sie bewegt sich nicht. Wenn die Förderung zu 80 bis 100 Prozent zusätzliche Sanierungen auslösen würde, müsste man das dort sehen.

Ich sage nicht, dass die Förderung wirkungslos ist. Ich sage, dass die ausgewiesene Wirkung methodisch nicht trägt.

Der Verkehr ist ein Totalausfall.

Kein einziges deutsches Instrument im Verkehrssektor hat einen nachweisbaren Effekt. Der Sektor verfehlt seine Ziele Jahr für Jahr. 2025 sind die Emissionen sogar wieder gestiegen.

Das einzige, was im Verkehr überhaupt gewirkt hat, sind die EU-Flottengrenzwerte. Und deren Wirkung wurde durch Plug-in-Hybride verwässert, die auf dem Prüfstand sparsam sind und in der Realität nicht.

Beim Atomausstieg muss man ehrlich sein.

Fachlich saubere Untersuchungen zeigen: Der weggefallene Atomstrom wurde überwiegend durch Kohle ersetzt, nicht durch Erneuerbare. Die Erneuerbaren wären ohnehin gekommen.

Die Zahlen, die dazu kursieren — 730 Millionen Tonnen zusätzliches CO₂, 19.000 Tote — stammen aus Interessengruppen und sind in dieser Höhe nicht belastbar. Die Richtung des Effekts ist es sehr wohl.

Wer den Ausstieg verteidigen will, muss über Risiko und Endlager argumentieren. Über Klimaschutz geht es nicht. Da ist die Bilanz negativ. Das ist keine Meinung, das ist Arithmetik.

Das eigentliche Problem
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Es gibt ein Muster, und es ist unbequem:

Was gewirkt hat, war Ordnungsrecht. Wo das Geld hingeflossen ist, war Förderung.

Verbote und Standards sind unpopulär. Man kann sie nicht auf Fototerminen überreichen. Sie erzeugen keine dankbaren Empfänger. Aber sie sind überprüfbar, günstig und sie wirken.

Förderprogramme sind das Gegenteil. Sie sind politisch angenehm, teuer, und ihre Wirkung lässt sich fast nie sauber nachweisen. Genau deshalb wird sie geschätzt statt gemessen.

Die Projektionsdaten 2026 sagen: Mit dem, was bis November 2025 umgesetzt war, kommt Deutschland bis 2030 auf minus 62,6 Prozent. Das Ziel liegt bei 65. Die Lücke ist klein, aber sie existiert nach über zwei Jahrzehnten Klimapolitik und dreistelligen Milliardenbeträgen.

Ab 2027 kommt der europäische Emissionshandel für Verkehr und Gebäude. Der hat eine feste Mengenobergrenze. Was er kostet, entscheidet dann der Markt, nicht die Politik. Die erste nationale Versteigerung im Juli 2026 lief sofort in den gesetzlichen Höchstpreis von 65 Euro — bei einer Zuteilung von 7,6 Prozent der Gebote.

Das ist ein Vorgeschmack.


Quellen: Umweltbundesamt (Emissionsdaten 2025, Projektionsdaten 2026), Expertenrat für Klimafragen, DEHSt, BEG-Evaluation im Auftrag des BMWE.