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Change NOW - was du tust, wenn Reset zu spät ist

·7 min
Thomas Arends
Autor
Thomas Arends
Management Consulting, Interim-, Projekt-, Qualitätsmanagement

Haben Sie „Reset, Rearrange, Restart" gelesen? Der letzte Satz dort war ehrlich, nicht bequem: „Ich kann dir zeigen, wie es geht. Hier ist das Modell. Laufen musst du selbst." Kein Artikel kann eine Betriebspraxis liefern. Aber er kann die Fragen liefern, an denen sich entscheidet, ob man läufst — oder nur so tut.

Diese Fragen habe ich schon einmal aufgeschrieben. Nicht 2026. 2008.

Der Text hieß „Lösungen zu Gefahrensituationen", er war roh, unpoliert, teilweise mit Schreibfehlern, die bewusst so stehen geblieben sind. Aber der Artikel hatte schon alles drin, was heute als fünf Pflichten des Lebensfähigkeitsmodells formalisiert ist. Das ist keine neue Theorie, die ich mir seit Reset ausgedacht habe. Das ist 18 Jahre Praxis, die inzwischen einen Namen, eine Reihenfolge und eine Prüflogik hat.

Fünf Pflichten. Für jede: die Frage, der typische Fehler — und was diese Woche getan werden muss, nicht nächstes Quartal.

Eine Sache vorweg, weil sie alles andere trägt: Pflicht 1 ist die Eintritts-Pflicht. Ohne das geht gar nichts! Wenn sie fällt, sind die anderen vier nicht mehr prüfbar. Deshalb fängt man dort an, so unangenehm langsam sich das anfühlt, wenn man eigentlich schon rennen will.

1. Zweckdefinition — wofür, für wen
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Die Frage ist nicht, was die Firma herstellt. Die Frage ist, ob jemand anderes das braucht, was die Firma herstellt.

„Herstellung von Autos" ist eine legitime Antwort — aber wertlos. Sie liefert kein Überleben, weil Autos auf Halde niemandem etwas bringen. Die brauchbare Fassung sieht anders aus:

  • Herstellung, Vertrieb und Wartung von Autos für den täglichen Gebrauch durch Familien, die das Auto aufgrund von Zuverlässigkeit und Lebensdauer weiterempfehlen.
  • Umständlicher zu formulieren. Schwerer durchzusetzen. Und in der heutigen Zeit muss ggf noch einiges dazu.

Nach der Formulierung kann man nicht mehr die Konjunktur verantwortlich machen, wenn das Produkt nicht ankommt — man kann nur noch feststellen, ob es geliefert wird, und wer dafür zuständig war.

Typischer Fehler: Lösungs-Bindung. Der Zweck wird an das gebunden, was die Firma gerade tut, statt an das, was der Adressat tatsächlich braucht. Kodak wollte Filme entwickeln, nicht Erinnerungen festhalten — deshalb hat Kodak die Digitalkamera erfunden und trotzdem verloren.

Was diese Woche zu tun ist: Schreiben Sie den Zweck als vollständiges Ganzes, nicht als Tätigkeit. Nicht „wir bauen Heizungen ein", sondern: der Kunde ist so zufrieden, dass er dich weiterempfiehlt. Benenne den Adressaten mit Namen oder Rolle — nicht „der Markt", nicht „die Kunden". Wenn man den Satz nicht ohne deine aktuelle Lösung formulieren kannst, hat man Pflicht 1 noch nicht erfüllt.

2. Idealzustand — wie soll es sein, seit wann gilt das
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Ein Ziel ohne Datum ist eine Behauptung über eine Welt, die es nicht mehr gibt.

Das ist der Kern von Reset: Was heute richtig ist, kann morgen falsch sein, weil sich der Boden bewegt hat — nicht weil man sich geirrt hast. Ein Idealzustand, den niemand aktualisiert, wird nicht falsch, weil er schlecht formuliert war. Er wird falsch, weil die Welt weitergelaufen ist, während er stehen blieb.

Typischer Fehler: Staledated / Outdated Strategy. Ein Workshop-Ergebnis von vor sechs Jahren gilt stillschweigend weiter, weil niemand ihn explizit für ungültig erklärt hat. Niemand hat „Nein" gesagt — das reicht bereits.

Was diese Woche zu tun ist: Nehem Sie sich jeden Zielsatz, den es in der Firma (oder auch im Privatleben) gibt, und schreiben Sie ein Datum daneben — nicht das Zieldatum, sondern das Datum, an dem der Satz zuletzt gegen die Realität geprüft wurde. Wenn das Datum älter ist als die letzte Marktverschiebung: Der Zielzustand ist tot, auch wenn ihn noch niemand beerdigt hat. Reset heißt: das laut sagen. Nicht stillschweigend weiterlaufen lassen.

3. Messmittelfähigkeit — wird gemessen, oder geschätzt
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„Ich will Schokolade. Und zwar ganz viel." So lautet der Satz, mit dem 2008 klar wurde, worum es in jeder Besprechung eigentlich geht: nicht darum, ob etwas stinkt oder wonach es riecht, sondern um Fakten des Prozesses. Meinungen sind in der Politik gut aufgehoben. In einer herausfordernden oder Gefahrensituation zählt nur, was nachprüfbar ist — und der Unterschied ist einfach: Fakten kann man nachprüfen, Meinungen nicht. also butte kein „ODD" Opinion Driven Design

Typischer Fehler: Eine Abteilung produziert Dinge, die scheinbar nicht messbar sind. Das ist fast nie ein Messproblem. Das ist eine falsche Definition, die sich hinter „das kann man nicht in Zahlen fassen" versteckt. Und das kann an in sehr vielen Firmen beobachten.

Was diese Woche zu tun ist: Für jede vitale Größe der Firma (nicht für jede Kenzahl), sondern die Größen, ohne die es keine Firma mehr gibt, aber definitiv Mehr als Umsatz und Gewinn! Aufschreiben:

  • Wer misst das
  • womit
  • wie oft
  • wie genau

Und beim “Einschätzen” auf IRR! Inter Rater Reliability achten: Wenn zwei Leute dieselbe Größe unterschiedlich einschätzen und niemand sagen kann, wer recht hat:
Meinungsumfrage mit Zahlen.

4. Schwachpunkt — wo ist das schwächste Glied
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Hier liegt der schärfste Satz aus dem Text von 2008, weil ihn fast jeder falsch liest: „Niemand, Keiner sowie Jeder sind die schlimmsten Mitarbeiter im Unternehmen." Das ist keine Aufforderung zur Hexenjagd!

Es ist das Gegenteil: Es ist die Weigerung, Verantwortung ins Diffuse zu verschieben, wo sie niemand mehr tragen muss.

Ordne Stärken und Schwächen echten Personen zu, nicht Abteilungen, nicht „dem Prozess", nicht „der Kultur". Sonst kann man nichts lösen, sondt ht meian keine Ursache.

Dann zwei Dinge gleichzeitig, nicht nacheinander:

  1. Die Person mit den meisten Schwächen ist das Ziel
  2. Die Person, die trotz Überlast weitergearbeitet hat
    • deren Ruf nach Hilfe irgendwo im Nichts verschwunden ist, ist ein Pluspunkt.

Beide Aktionen in derselben Analyse. Wer nur Fehler sucht, fährt die Firma gegen die Wand. Es gilt die 51-Prozent-Regel: mehr richtig als falsch, sonst gäbe es die Firma nicht mehr.

Typischer Fehler in der Analyse:

  • Mitteln. Die Kette reißt am schwächsten Glied, nicht am Durchschnitt — ein Notendurchschnitt von 3 sagt nichts darüber, ob eine einzelne Sechs gerade den Betrieb lahmlegt.
  • Die Hexenjagd auf denjenigen der immer den Mund aufmacht

Was diese Woche zu tun ist: Die vitalen Größen einzeln nach Abstand zum Soll sortieren, keine Mittelwerte. Und bevor jemand für einen Engpass verantwortlich gemacht wird:

  • Ist die Anweisung überhaupt angekommen?
  • Wurde die Anweisung verstanden?
  • Gab es vielleicht widersprüchliche Vorgaben von zwei Seiten?

In den meisten Fällen findest man dort die eigentliche Ursache — nicht bei der Person, die zwischen den Vorgaben zerrieben wurde.

5. Beweglichkeit — wie lange von Signal zu Handlung
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Das ist der einzige ehrliche Test, den Reset schon genannt hat: nicht „habt ihr eine Roadmap?", sondern die Differenz zwischen dem Tag, an dem sich in der Welt etwas verschoben hat, und dem Tag, an dem darauf reagiert wurde. Eine Zahl. Messbar. Man sieht, ob sie besser wird oder schlechter.

Was Reset nicht sagt, aber „Lösungen zu Gefahrensituationen" schon 2008: „In einer jeden Gefahrensituation ist Zeit ein überaus kritischer Faktor." Derselbe Punkt, 18 Jahre früher, ohne den heutigen Namen. Das ist keine neue Erkenntnis aus diesem Jahr. Das ist eine Erkenntnis, welche schon lange feststand und trotzdem in den meisten Firmen nicht gemessen wird.

Typischer Fehler: Die Aufmerksamkeits-Falle:

  • Auf den lauten Knall — Unfall, Schlagzeile, Kündigungswelle — reagiert fast jeder schnell.
  • Auf das leise, schleichende Signal reagiert fast keiner, obwohl es oft Jahre vorher schon sichtbar war.

China war kein Schock.(Wer trotzde einen hat, hat die letzten Jahre im Kryo Schlaf verbracht) China ist ein seit zehn Jahren öffentlich bekannter, abgelaufener Termin.

Was diese Woche zu tun ist: Greifen Sie letzten drei Signale, welche die Firma ignoriert hat — egal ob laut oder leise — und für jedes ignorierte Signal zwei Daten eintragen:

  • wann ist das Signal aufgetaucht
  • wann wurde reagiert.

Wenn bei einem davon „noch nie" steht, läuft die Reaktionszeit gegen unendlich. Eine Firma mit unendlicher Reaktionszeit ist bereits tot. Sie weiß es nur noch nicht.

Der eine Satz, der alles zusammenhält
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Bevor diese fünf Pflichten für eine Firma ausgefüll werden vorab das Wichtigste:

Wer die Drift / die Abweichung verursacht oder übersehen hat, darf nicht derjenige sein, der jetzt beurteilt, ob sie behoben ist.

Nicht als Vorwurf — als Struktur. Der Vorstand, dessen Kernkompetenz die Strategie war, ist als Erster disqualifiziert, das eigene Versäumnis zu erkennen, weil Erkennen ihn entthront. Die Ist-Aufnahme muss durch jemanden erstellt werden, der durch die Antwort nichts verliert.

Reset ist kein Ereignis, das an einem Tag stattfindet. Reset ist der Moment, in dem diese fünf Fragen zum ersten Mal ehrlich beantwortet werden — mit Datum, mit Fakten, ohne Mittelwert, ohne Meinung. Alles andere ist Transformation. Und für Transformation ist es zu spät.

Image by Wolfgang Eckert from Pixabay