Zum Hauptinhalt springen

Varta: Der Markt war es nicht

·2 min
Thomas Arends
Autor
Thomas Arends
Management Consulting, Interim-, Projekt-, Qualitätsmanagement

„Kein Batteriehersteller verdient Geld." Das ist eine überprüfbare Aussage. Sie ist falsch.

CATL hat für 2025 rund 72 Mrd. Yuan Nettogewinn ausgewiesen — etwa 10,4 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei rund 17 Prozent Nettomarge. BYD lag bei rund 4,7 Mrd. US-Dollar, trotz eines Rückgangs von 19 Prozent. Der Markt trägt Gewinne. Sogar sehr große.

Was stimmt: Europäische Zellfertigung hat reale Nachteile. Energiekosten, Skalen, Vorprodukte, Regulierung. Wer das kleinredet, ist unehrlich.

Was trotzdem stimmt: Wenn Wettbewerber im selben Weltmarkt am selben Produkt verdienen und einer nicht, ist die Ursache nicht der Markt. Sie ist firmenspezifisch. Das ist keine Meinung, das ist Ausschluss.

Dafür muss niemand spekulieren. Varta-Chef Michael Ostermann hat im März 2025 selbst gesagt, dass man es bei Varta ohne äußeres Zutun geschafft habe, das Unternehmen an die Wand zu fahren — und ausdrücklich hinzugefügt, dass in seinen früheren Sanierungsfällen externe Ursachen wie Marktveränderungen im Spiel waren. Hier eben nicht. Der amtierende Vorstandsvorsitzende schließt die Branche als Erklärung aus.

Dauerabstimmung ist kein Qualitätsmerkmal
#

Ein Detail verdient dabei mehr Aufmerksamkeit, als es bekommt. Tägliche Anforderungsabstimmungen mit dem Großkunden werden gern als Beleg für Anspruch angeführt. Sie sind das Gegenteil eines Belegs.

Täglich über Anforderungen abzustimmen heißt: die Anforderungen sind nicht spezifiziert. Wer Schnittstellen deterministisch festlegt, stimmt einmal ab und ändert danach kontrolliert gegen eine Baseline. Wer täglich abstimmt, ersetzt fehlende Spezifikation durch Anwesenheit.

Das ist teuer. Es skaliert nicht. Und es ist eine interne Strukturentscheidung — keine Eigenschaft des Kunden.

Eine Zahl zum Verhältnis
#

Ebenfalls von Manuel Ostermann: Das StaRUG-Verfahren hat rund 43 Mio. Euro an Anwalts- und Beraterkosten verschlungen. Die Kapitalerhöhung durch Porsche und Michael Tojner betrug 60 Mio. Euro — je 30 Millionen, für je 50 Prozent der Anteile.

Wer wissen will, ob in der Krise die richtigen Dinge priorisiert wurden, findet in diesem Verhältnis einen Anhaltspunkt.

An den Leuten in Ellwangen lag es nicht. Ich habe selten so viel Einsatz gegen so viel Struktur gesehen.

Die Frage war nie, ob der Markt hart ist. Er ist es. Die Frage ist, warum andere darin verdienen.


Quellen

Image by Denys Marchuk from Pixabay