Nehmen Sie Ihren aktuellen Projektplan. Streichen Sie jede Zeile, die mit „Entwicklung", „Einführung", „Erstellung" oder „Optimierung" beginnt.
Was bleibt dann übrig?
Bei den meisten Plänen, die ich in über dreißig Jahren Projektarbeit gesehen habe, bleiben Termine. Und ein paar Namen. Das ist kein Plan.
Was da steht, ist kein Plan # „Entwicklung einer Positionsregelung" klingt nach Arbeit. Es klingt sogar nach Fortschritt. Aber prüfen Sie den Satz einmal mit drei einfachen Fragen:
Vor drei Wochen habe ich vorgerechnet: 500 Milliarden Euro Bundeshaushalt, rund 4.000 Ausgabetitel, und § 7 der Bundeshaushaltsordnung schreibt für jeden davon eine Erfolgskontrolle vor. Ob sie stattfindet, war aus den Haushaltsunterlagen selbst nicht ersichtlich. Ich habe den Haushaltsausschusses gefragt.
Die Antwort ist da. Sie ist höflich, sie ist verfahrensmäßig sauber, und sie widerlegt nichts von dem, was ich geschrieben hatte. Im Gegenteil: Sie bestätigt meine Befürchtung, nur in einer Sprache, die dafür gemacht ist, dass man es beim ersten Lesen überliest.
Acht politische Ziele, eine Methode. In dieser Reihe prüfe ich jedes gegen dieselben fünf Pflichten, mit denen ich sonst Bauteile, Firmen und Projekte auf Lebensfähigkeit prüfe: Zweck, Idealzustand, Messmittelfähigkeit, Schwachpunkt, Reaktionszeit. Teil 1: Energieversorgung.
Oben: Tagesschau/rbb, Quelle Bundeswirtschaftsministerium/ADAC. Unten: dieselben Zahlen, neu gruppiert. (Quelle des Bildes Telegram Chat)
Zwei Grafiken, dieselben vier Zahlen: 111 Cent „Kosten und Gewinn", 15,6 Cent CO₂-Preis, 65,5 Cent Energiesteuer, 36,5 Cent Mehrwertsteuer — bei einem Liter Super E10 für 2,29 €. Die Tagesschau zeigt „Kosten und Gewinn" als einen Balken neben drei einzelnen Steuerbalken. Addiert man die drei, kommt man auf 118 Cent — 51,5 Prozent des Preises, mehr als die Hälfte.
Wer beim Auto einmal nachrechnet, merkt schnell: Ab etwa 100 km/h bringt höhre Geschwindigkeit kaum noch Zeitgewinn – aber er kostet. In Projekten macht man denselben Fehler in die andere Richtung. Man tritt aufs Gas, obwohl der Wagen längst am Limit ist, und nennt es Zeitdruck.
Die Grafik stammt von Oliver Hummel (Aufwandsschätzungen in der Software- und Systementwicklung) und zeigt etwas, das jeder schon gehört hat, der einmal “das muss aber bis Freitag fertig sein” gesagt bekam: Solange der gewünschte Zeitplan bei mindestens 75 % des realistisch geschätzten liegt, bleibt der Mehraufwand überschaubar. Fällt er darunter, kippt die Kurve – der Aufwand steigt auf das 1,4-Fache und mehr. Hummel nennt diesen Bereich die Todeszone: Mehr Druck erzeugt dort keine höhere Geschwindigkeit, nur höhere Kosten.
Am 1. September 2024 wurde die AfD in Thüringen mit rund 33 Prozent erstmals seit 1945 stärkste Kraft in einem deutschen Landesparlament. Am 6. September 2026, zwei Jahre später, wiederholte sich das in Sachsen-Anhalt — mit 43,8 Prozent, mehr als doppelt so viel wie die zweitplatzierte CDU mit 17,2 Prozent.
Zwei Jahre. Zwei Wahlergebnisse mit derselben Botschaft. Die IMHO irrige Reaktion war beide Male fast identisch:
Ursachenanalyse Mangelware. Statt dessen ein “Beißreflex”. Eine Brandmauer, die hält, und Krisensitzungen danach. Das hier ist kein Text über die AfD. Das ist ein Text über das, was zwischen den beiden Terminen nicht passiert ist.
Im September 2026 wurde bekannt, dass Zeiss seine SAP-Migration neu ausrichtet. Fünf Jahre Arbeit, ein kompletter Neuaufbau der Systemlandschaft, und jetzt die Kehrtwende: Statt alles neu zu bauen, wird die bestehende Landschaft weitgehend unverändert auf die neue Plattform gehoben. Die kolportierte Summe: über 200 Millionen Euro.
Acht Jahre vorher hatte Lidl ein Vorhaben ähnlicher Art gestoppt. Auch dort eine Warenwirtschaft, auch dort SAP, auch dort sieben Jahre. Die dort kolportierte Summe: rund 500 Millionen Euro.
Der Vorstand von Mercedes-Benz hat den Arbeitnehmervertreter:innen offenbar unmissverständlich klargemacht, was passiert, wenn sie die geplante Anhebung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden – ohne Lohnausgleich – ablehnen: Quelle1 . Quelle2. Schließung eines deutschen Werks, verstärkte Verlagerung der Produktion nach Osteuropa. Recherchen der WirtschaftsWoche zufolge steht das im Raum. Zeitlich fällt der Vorstoß in die Woche direkt nach der weitreichenden Einigung zwischen VW und der Gewerkschaft – Mercedes orientiert sich sichtbar an diesem Muster und nutzt denselben Moment.
Es kursieren gerade drei Geschichten über künstliche Intelligenz. Die erste: Sie löscht die Menschheit aus. Die zweite ist die erste mit Bildern — Terminator, rote Augen, Blechschädel. Die dritte: Widerstand gegen Rechenzentren, Bürgerinitiative, Bauzaun, Unterschriftenliste.
Die Frage: Wie halten wir das auf?
Das ist die falsche Frage. Nicht weil Aufhalten immer unmöglich wäre — das ist es nicht, dazu gleich —, sondern weil die Bedingungen, unter denen Aufhalten funktioniert, hier nicht vorliegen. Und weil das Stellen der falschen Frage Zeit kostet, die niemand hat.
Haben Sie „Reset, Rearrange, Restart" gelesen? Der letzte Satz dort war ehrlich, nicht bequem: „Ich kann dir zeigen, wie es geht. Hier ist das Modell. Laufen musst du selbst." Kein Artikel kann eine Betriebspraxis liefern. Aber er kann die Fragen liefern, an denen sich entscheidet, ob man läufst — oder nur so tut.
Diese Fragen habe ich schon einmal aufgeschrieben. Nicht 2026. 2008.
Der Text hieß „Lösungen zu Gefahrensituationen", er war roh, unpoliert, teilweise mit Schreibfehlern, die bewusst so stehen geblieben sind. Aber der Artikel hatte schon alles drin, was heute als fünf Pflichten des Lebensfähigkeitsmodells formalisiert ist. Das ist keine neue Theorie, die ich mir seit Reset ausgedacht habe. Das ist 18 Jahre Praxis, die inzwischen einen Namen, eine Reihenfolge und eine Prüflogik hat.
Ein Freitag im Juli # Freitag, 19. Juli 2024, kurz nach sechs Uhr morgens deutscher Zeit. An Flughäfen bleiben die Anzeigetafeln schwarz. Kassen in Supermärkten fallen aus, Kliniken verschieben Operationen, Fernsehsender senden Standbilder. Auf rund 8,5 Millionen Windows-Rechnern weltweit erscheint derselbe blaue Bildschirm, und wer den Rechner neu startet, bekommt ihn wieder.
Der Auslöser war ein Sicherheitsprodukt. Die Firma CrowdStrike, einer der größten Anbieter für den Schutz von Firmenrechnern, hatte in der Nacht ein Update verteilt. 78 Minuten später war es zurückgezogen. Da war der Schaden längst da: Eine einzige amerikanische Fluggesellschaft strich in den folgenden Tagen mehrere tausend Flüge und bezifferte ihren Verlust auf rund eine halbe Milliarde Dollar. Ein Versicherer schätzte allein den Schaden der 500 größten US-Firmen auf über fünf Milliarden.