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2026

Wenn Sie alles richtig machen und es trotzdem nicht funktioniert

·7 min
Sie reißen sich den Hintern auf. Sie entscheiden nach bestem Wissen. Sie holen sich Rat, Sie führen die Methode ein, die alle empfehlen, Sie machen die Workshops, Sie füllen die Vorlagen aus. Und hinten kommt trotzdem nicht das raus, was rauskommen sollte. Das ist der Punkt, an dem die meisten sich fragen, ob sie sich noch mehr anstrengen müssen. Meine Erfahrung: Nein. Wenn Anstrengung das Problem wäre, hätten Sie es längst gelöst — Anstrengung ist das Einzige, woran es in solchen Firmen nie fehlt.

Welcher Stand gilt?

·6 min
Stellen Sie einem beliebigen Entwicklungs-, Qualitäts- oder Projektteam eine einzige Frage: Welcher Stand gilt? Nicht als Vorwurf, sondern als Zeitmessung. Wie lange dauert es, bis jemand mit Sicherheit sagen kann, welcher der vorliegenden Stände der verbindliche ist? Sekunden? Oder eine Rückfrage, eine Mail, ein Termin? Haben die Kollegen ggf. unterschiedliche Versionen (fast immer)? Wer diese Frage nicht in Sekunden beantworten kann, beantwortet sie in Besprechungen und Meetings. Das ist der eigentliche Preis, und er steht in keiner Kostenstelle.

Warum Ihre Entwicklung nicht weiß welcher Stand gilt

·6 min
Fragen Sie Ihren Buchhalter, welcher Stand gilt. Er versteht die Frage nicht. Für ihn ist sie seit dem Handelsgesetzbuch beantwortet: Jeder Wert in der Bilanz führt zurück auf einen Beleg, und jeder Beleg führt vorwärts in die Bilanz. In beide Richtungen, jederzeit, ohne Rückfrage. Stellen Sie dieselbe Frage in der Entwicklung. Sie bekommen einen Termin. Der Fachbegriff ist derselbe # Die GoBD — die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern in elektronischer Form — verlangen ausdrücklich progressive und retrograde Prüfbarkeit. Progressiv heißt: vom Beleg über die Buchung bis zur Bilanzposition. Retrograd heißt: von der Bilanzposition zurück bis zum einzelnen Beleg.

Panik ist kein Plan

·8 min
Deutschland kann Alarm. Alarm ist unsere Kernkompetenz! Warnstufen, Aktionspläne, Sondergipfel und Betroffenheitsreden. Wir haben Menschen, die sich auf Straßen kleben. Wir haben andere, die deshalb aus Prinzip einen Diesel kaufen. Was wir nicht haben: eine sinkende Weltemissionskurve. Alarm hat noch nie eine einzige Tonne CO₂ verhindert. Er ist ein Gefühl. Kein Werkzeug. Werkzeuge betrachten. Kurz, was stimmt # Der Kohlenstoff in der Luft kommt aus fossilen Quellen. Das ist gemessen, nicht gerechnet.

Sechs Monate ohne Bahnhof

·10 min
Sechs Monate # Am 9. März 2026 begann an der S-Bahn-Station in Wernau am Neckar der Austausch beider Aufzüge. In Betrieb gehen sollen sie im September. Dazwischen liegen rund sechs Monate. Während der Bauarbeiten sind die Bahnsteige weiterhin stufenfrei über Rampen zu erreichen. Die Wege über die Rampen sind jedoch nicht barrierefrei. In derselben Mitteilung steht, dass die Wege über diese Rampen nicht barrierefrei sind. Stufenfrei und barrierefrei — zwei Wörter, zwei aufeinanderfolgende Sätze, und dazwischen liegt der ganze Unterschied. Als Alternative wird der Bahnhof Wendlingen genannt, sechs Kilometer entfernt.

Deutschland: Die Regelgröße ohne Adressat

·7 min
Es gibt in der Technik eine Kategorie von Fehler, die schwerer wiegt als jeder Rechenfehler: die Lösung, die selbst zum Problem wird. Ein Rechenfehler wird gefunden und korrigiert. Eine Lösung, die zum Problem wird, ist gegen Korrektur immunisiert, weil sie bereits als Antwort etikettiert ist. Wer sie hinterfragt, wird nicht als Prüfer wahrgenommen, sondern als Gegner der Sache. Genau das ist der Zustand der deutschen Klimapolitik. Ich will das nicht politisch führen. Ich will es regelungstechnisch führen, weil sich dort zeigt, was schiefläuft — und zwar unabhängig davon, wie man zur Physik steht. Die Physik ist an dieser Stelle nicht der Streitpunkt. Der Streitpunkt ist die Steuerung.

Die 35-Stunden-Woche ist keine Diagnose

·9 min
Nikolas Stihl hat sich dem Vorstoß von Martin Brudermüller angeschlossen: längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich in der Metall- und Elektroindustrie. Seine Begründung gegenüber der dpa: „In den guten Zeiten konnte sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten." Heute nicht mehr. Adressat ist die IG Metall, Anlass sind die von ihm genannten rund 500.000 Industriearbeitsplätze, auf deren Verlust Deutschland zusteuere. Die billige Antwort darauf — Aktionärsinteresse, Quartalsdenken — geht ins Leere. Stihl ist zu hundert Prozent in Familienbesitz, nicht börsennotiert, mit rund siebzig Prozent Eigenkapital weitgehend unabhängig von Banken und Kapitalmarkt. Es gibt keinen Aktionär, dem hier etwas geliefert werden müsste.

Wo KI im Engineering Sinn macht – und wo sie gefährlich wird

·4 min
Jede zweite Produktankündigung im Engineering-Tooling-Markt trägt inzwischen “KI-gestützt” im Titel. Das ist selten falsch – aber selten auch die interessante Frage. Die interessante Frage lautet: was genau macht KI dabei billiger, und was bleibt genauso teuer wie vorher? Die Antwort ist unbequem für alle, die sich von KI eine Abkürzung erhoffen: KI macht Content billig. Requirements-Text, FMEA-Formulierungen, ISMS-Policy-Entwürfe, Übersetzungen, Erstklassifikationen – all das lässt sich heute in Sekunden erzeugen, wo früher Stunden draufgingen. Was KI nicht billiger macht, ist alles, was mit diesem Content danach passieren muss: Wo hängt die Aussage im System? Wer hat sie freigegeben? Bleibt sie nachvollziehbar, wenn sie sich in sechs Monaten ändert? Wer haftet, wenn sie falsch war?

Rettungsschirme: Wer die Meldung abschaltet, hat den Fehler nicht behoben

·5 min
Wegdrücken und ignorieren - wem kommt das bekannt vor # Ein Rettungsschirm ist keine Maßnahme gegen Scheitern. Er ist eine Maßnahme gegen die Meldung (Kill the Messenger) eines Scheiterns. Der Unterschied ist nicht rhetorisch. Wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig wird, hat der Regelkreis funktioniert: Es ist mehr abgeflossen als hereingekommen, über lange Zeit, und das System hat es korrekt angezeigt. Die Anzeige ist die einzige Information, die in dieser Lage überhaupt noch etwas wert ist. Ein Rettungsschirm greift genau dort ein — nicht an der Ursache, sondern an der Anzeige. Danach ist die Ursache unverändert vorhanden und nicht mehr sichtbar. Das ist in jeder Anlage, die ich in zwanzig Jahren gesehen habe, der Zustand kurz vor dem großen Schaden.

Er hat nicht recht, weil er der Chef ist

·6 min
2022 habe ich hier zwei Sätze aufgeschrieben, denen jeder zustimmt: Eine Aussage einer Person, die ich mag, wird deshalb nicht richtig. Eine Aussage einer Person, die ich verachte, wird dadurch nicht falsch. Es gibt eine dritte Zeile. Sie spricht selten jemand aus: Und die Aussage einer Person, die über mir steht, wird dadurch auch nicht richtig. Der erste Teil dieser Reihe war an Führungskräfte gerichtet: Zustimmung ist kein Empfangsbeleg. Dieser hier ist an die andere Seite gerichtet, und er ist unangenehmer. Nicht weil er härter formuliert ist, sondern weil das, was er verlangt, Sie etwas kostet und den Chef nichts.