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Warum Ihre Entwicklung nicht weiß welcher Stand gilt
·6 min
Fragen Sie Ihren Buchhalter, welcher Stand gilt.
Er versteht die Frage nicht. Für ihn ist sie seit dem Handelsgesetzbuch beantwortet: Jeder Wert in der Bilanz führt zurück auf einen Beleg, und jeder Beleg führt vorwärts in die Bilanz. In beide Richtungen, jederzeit, ohne Rückfrage.
Stellen Sie dieselbe Frage in der Entwicklung. Sie bekommen einen Termin.
Der Fachbegriff ist derselbe # Die GoBD — die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern in elektronischer Form — verlangen ausdrücklich progressive und retrograde Prüfbarkeit. Progressiv heißt: vom Beleg über die Buchung bis zur Bilanzposition. Retrograd heißt: von der Bilanzposition zurück bis zum einzelnen Beleg.

Welcher Stand gilt?
·6 min
Stellen Sie einem beliebigen Entwicklungs-, Qualitäts- oder Projektteam eine einzige Frage:
Welcher Stand gilt?
Nicht als Vorwurf, sondern als Zeitmessung. Wie lange dauert es, bis jemand mit Sicherheit sagen kann, welcher der vorliegenden Stände der verbindliche ist? Sekunden? Oder eine Rückfrage, eine Mail, ein Termin? Haben die Kollegen ggf. unterschiedliche Versionen (fast immer)?
Wer diese Frage nicht in Sekunden beantworten kann, beantwortet sie in Besprechungen und Meetings. Das ist der eigentliche Preis, und er steht in keiner Kostenstelle.

Deutschland: Die Regelgröße ohne Adressat
·7 min
Es gibt in der Technik eine Kategorie von Fehler, die schwerer wiegt als jeder Rechenfehler: die Lösung, die selbst zum Problem wird. Ein Rechenfehler wird gefunden und korrigiert. Eine Lösung, die zum Problem wird, ist gegen Korrektur immunisiert, weil sie bereits als Antwort etikettiert ist. Wer sie hinterfragt, wird nicht als Prüfer wahrgenommen, sondern als Gegner der Sache. Genau das ist der Zustand der deutschen Klimapolitik.
Ich will das nicht politisch führen. Ich will es regelungstechnisch führen, weil sich dort zeigt, was schiefläuft — und zwar unabhängig davon, wie man zur Physik steht. Die Physik ist an dieser Stelle nicht der Streitpunkt. Der Streitpunkt ist die Steuerung.

Sechs Monate ohne Bahnhof
·10 min
Sechs Monate # Am 9. März 2026 begann an der S-Bahn-Station in Wernau am Neckar der Austausch beider Aufzüge. In Betrieb gehen sollen sie im September. Dazwischen liegen rund sechs Monate.
Während der Bauarbeiten sind die Bahnsteige weiterhin stufenfrei über Rampen zu erreichen. Die Wege über die Rampen sind jedoch nicht barrierefrei. In derselben Mitteilung steht, dass die Wege über diese Rampen nicht barrierefrei sind. Stufenfrei und barrierefrei — zwei Wörter, zwei aufeinanderfolgende Sätze, und dazwischen liegt der ganze Unterschied. Als Alternative wird der Bahnhof Wendlingen genannt, sechs Kilometer entfernt.

Die 35-Stunden-Woche ist keine Diagnose
·9 min
Nikolas Stihl hat sich dem Vorstoß von Martin Brudermüller angeschlossen: längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich in der Metall- und Elektroindustrie. Seine Begründung gegenüber der dpa: „In den guten Zeiten konnte sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten." Heute nicht mehr. Adressat ist die IG Metall, Anlass sind die von ihm genannten rund 500.000 Industriearbeitsplätze, auf deren Verlust Deutschland zusteuere.
Die billige Antwort darauf — Aktionärsinteresse, Quartalsdenken — geht ins Leere. Stihl ist zu hundert Prozent in Familienbesitz, nicht börsennotiert, mit rund siebzig Prozent Eigenkapital weitgehend unabhängig von Banken und Kapitalmarkt. Es gibt keinen Aktionär, dem hier etwas geliefert werden müsste.