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Thomas Arends

Thomas Arends

Schwierige Dinge einfach machen

Hinweis zu KI

Neue Beiträge

Die Reißleine, die es im Büro nicht gibt

·8 min
In einem Toyota-Werk hängt über jeder Station eine Leine. Wer an seinem Platz eine Abweichung bemerkt, zieht sie. Dann leuchtet eine Tafel, ein Signal ertönt, und innerhalb eines definierten Zeitfensters steht ein namentlich benannter Verantwortlicher am Band. Wird die Abweichung in dieser Zeit nicht behoben, hält die Linie an. Das ist Andon, und es ist bemerkenswert unspektakulär. Bemerkenswert ist etwas anderes: dass ein Unternehmen ein Verfahren betreibt, bei dem der Mensch mit dem niedrigsten Rang die teuerste Ressource des Werks stoppen darf. Und dass es funktioniert.

Drei Fragen zum Meeting, das Sie nervt

·5 min
Es gibt in Ihrem Kalender einen Termin, bei dem Sie beim Blick auf die Woche innerlich seufzen. Er wiederholt sich, er ist gut besetzt, er hat ein Protokoll, und niemand könnte auf Anhieb sagen, was sich seit dem letzten Mal verändert hat. Vielleicht heißt er Abstimmung. Vielleicht Koordination. Vielleicht Jour fixe Schnittstelle, vielleicht Eskalationsrunde. Um diesen einen Termin geht es hier. Dies ist kein Text gegen Meetings! Es ist ein Text darüber, was ein bestimmter Typ von Meeting über die Konstruktion Ihres Unternehmens verrät. Denn dieser Termin ist kein Zeichen dafür, dass zu wenig geredet wird. Er ist ein Messinstrument, das seit Monaten läuft, ausgewertet wird aber von niemandem.

Warum die Bilanz Ihre Organisation nicht zeigen darf

·7 min
Ein Unternehmen kann über Jahre seine Ablauforganisation verrotten lassen, ohne dass ein einziger Abschluss davon etwas zeigt. Das ist keine Nachlässigkeit der Beteiligten und kein Versagen der Prüfung. Es ist die korrekte Anwendung geltender Rechnungslegungsvorschriften. Diese Feststellung wird meistens als Kritik gelesen. So ist sie nicht gemeint. Sie ist der Ausgangspunkt für die praktisch interessantere Frage: Wenn die Zahlenwelt einen strukturellen blinden Fleck hat, wo greift das Recht dann doch in die Organisation hinein — und was fehlt dazwischen?

58,7 Prozent pünktlich — und der ausgefallene Zug zählt nicht: Welche Messsignale wirklich interessant sind

·8 min
Im ersten Halbjahr 2026 waren 58,7 Prozent der Fernzüge der Deutschen Bahn pünktlich. Jeder zwölfte! Fernzug fiel ganz oder teilweise aus. Diese ausgefallenen Züge tauchen in der Pünktlichkeitsstatistik gar nicht erst auf. Ein Zug, der nie fährt, kann schließlich nicht zu spät kommen. Pünktlich heißt außerdem: weniger als sechs Minuten Verspätung, gemessen pro Halt. Das ist jetzt nicht gegen die Bahn. Das ist ein Lehrstück in ungenügenden Messsystemdesign — und zwar das beste, welches der deutsche Alltag hergibt, weil jeder de mit der Bahn fährt, die Diskrepanz zwischen Statistik und Erlebnis am Bahnsteig kennt. Die Frage dahinter betrifft jedes Unternehmen:

Process Mining misst Ihre Buchhaltung. Ihre Prozesse hat es nie gesehen.

·5 min
Stellen Sie sich vor, jemand will die Qualität Ihrer Ehe beurteilen. Er hat keine Zeit für Gespräche, keine Lust auf Beobachtung, und Zuhören ist ihm zu anstrengend. Also misst er den hormonellen Austausch. Oxytocin, Dopamin, ein bisschen Cortisol als Kontrollgröße. Wissenschaftlich, quantifizierbar, dashboardfähig. Das Ergebnis wäre eindeutig: Nach spätestens zwei Jahren ist der Lack ab. Die Kurve fällt. Empfehlung des Beraters: Partner wechseln, die Werte des Ausgangszustands sind sonst nicht wiederherstellbar.